Privatdetektiv Patrick Kurtz im Deutschlandfunk-Interview: „Observation – Arbeitgeber setzen Detektive auf krankgeschriebene Arbeitnehmer an“


Für einen Beitrag bei Deutschlandfunk Nova interviewte Journalist Alexander Nette Detektiv Patrick Kurtz zum aktuell so viel diskutierten Thema Krankschreibungsbetrug. Den Originalbeitrag zum Hören finden Sie hier und die Transkription unten.


Deutschlandfunk: „Arbeitgeber, die kranke Beschäftigte beschatten lassen“*


Moderator: „Vielleicht habt ihr euch auch schon mal krank gemeldet bei der Arbeit, obwohl ihr eigentlich, eigentlich hättet arbeiten können. So tief in euch habt ihr es gewusst: Reicht eigentlich nicht. Aber ihr hattet auch vielleicht auch nicht so richtig Lust. Man versteht’s. Wart ihr nervös? Also seid ihr mal rausgegangen? Spazieren? Oder wart ihr drin? Vorhänge runter? Angst, dass euch jemand erkennt? Man kann da fast paranoid werden. Aber vielleicht ist es gar keine Paranoia, vielleicht habt ihr recht. Könnte nämlich Patrick Kurtz sein, der nach euch sucht. Patrick ist Privatdetektiv und der kriegt echt so Aufträge. Krankgeschriebene Arbeitnehmer beschatten und gucken: Na, sind die wirklich krank? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Alexander Nette, der hat mit Patrick Kurtz über diese Aufträge gesprochen. Die Hauptaufgabe des Detektivs ist dabei: beobachten.“

Detektiv Patrick Kurtz: „Jetzt weniger mit der Zeitung im Park, meistens im Fahrzeug. Je nachdem, wie die Observationssituation eben gelagert ist, kann es auch mal sein, dass man in einem Café sitzt, vielleicht sogar in einem Freizeitpark eine Observation durchführt.“


Pseudo-Detektiv versteckt Gesicht hinter Zeitung (Detektiv-Klischee); Duisburg Detektei, Duisburg Detektiv, Duisburg Detektivagentur, Duisburg Detektivbüro

Alexander Nette: „So beschreibt Patrick Kurtz seinen Alltag als Privatdetektiv. Er sitzt gerade in seiner Außenstelle in Dortmund auf einem roten Chesterfield-Sessel im Empfangsbereich der Detektei. Hier trifft er sich auch mit seinen Auftraggebern, obwohl der Kontakt mit ihnen mittlerweile auch immer häufiger einfach online läuft, wie er mir erzählt. Im Schnitt zweimal pro Woche wird Patrick Kurtz beauftragt, um krankgeschriebene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu beschatten. Von Chefs, die vermuten: Ja, hier wird bestimmt blau gemacht, die sind ja gar nicht krank, checkt das doch mal bitte. Patrick Kurtz bekommt dann die Kontaktdaten der Zielperson und die Info, an welchen Tagen er sie beschatten soll.“


Wie observiert ein Privatdetektiv unauffällig?


Detektiv Patrick Kurtz: „Dann ist es in der Regel so, dass wir morgens zur Observation abstellen, dass wir also im Fahrzeug im Nahbereich oder vielleicht sogar mit Sichtkontakt auf die Wohnadresse observieren und dann der Zielperson im Tagesverlauf folgen und eben alle relevanten Aktivitäten dokumentieren.“

Alexander Nette: „Das macht er dann bei Verdacht auf Krankschreibungsbetrug mindestens drei Tage. Und wer jetzt an so ein mysteriöses schwarzes Fahrzeug mit verdunkelten Scheiben gedacht hat, in dem er da sitzt – nee, ganz so ist es jetzt nicht. Das wäre ja auch zu auffällig, sagt er.“

Detektiv Patrick Kurtz: „Da achten vielleicht Leute eher mal drauf, wenn ein Fahrzeug längere Zeit mit verdunkelten Scheiben da steht, als wenn es ein Fahrzeug mit normalen Scheiben ist.“ 

Alexander Nette: „Und weil er sich nicht auf den Fahrersitz setzt, ist er auch mit ungetönten Scheiben kaum im Fahrzeug zu erkennen, sagt er.“

Detektiv Patrick Kurtz: „Normalerweise auf dem Rücksitz. Wenn man normale Lichtverhältnisse hat, dann muss man quasi fast die Augen an die Scheibe randrücken, damit man da jemanden sehen kann. Dementsprechend ist es relativ einfach, unauffällig zu bleiben über einen längeren Zeitraum.“


Rechtliche Voraussetzungen für die Überprüfung von Beschäftigten durch Detektive


Alexander Nette: „Klingt schon creepy, muss ich sagen – die Vorstellung, dass mein Chef mir jemanden nach Hause schickt, um zu checken, ob ich wirklich krank bin. Die Privatsphäre müssen Privatdetektivinnen und Detektive zwar in jedem Fall respektieren und dürfen in der Regel nur von öffentlichen Wegen und Plätzen aus observieren. Aber dürfen Arbeitgeber überhaupt einfach so Detekteien beauftragen? Arendt Gast, er ist Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. Und er sagt: Ja, in einigen Fällen schon. Allerdings nur dann, wenn es auch einen begründeten Verdacht gibt, dass jemand vortäuscht, krank zu sein.“

Rechtsanwalt Arendt Gast: „Gibt es einen konkreten Anfangsverdacht? Der wird in jedem Fall gefordert. Es muss irgendwie objektivierbare Tatsachen geben, die darauf hindeuten, dass man es hier mit einer vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit zu tun hat.“

Alexander Nette: „Weil das Beschatten einer Person, das ist ein schwerer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Arbeitgeber brauchen deswegen konkrete Anhaltspunkte. Zum Beispiel, dass ein Arbeitnehmer Urlaub eingereicht hat, der abgelehnt wurde, und sich dann genau in der Zeit krankschreiben lässt. Aber auch Gespräche mit anderen Mitarbeitenden, in denen offen erzählt wird, dass die Kollegin die Krankschreibung nur vorschiebt. Und dann ist die Aufgabe von Detektiven wie Patrick Kurtz, Hinweise zu sammeln, dass das wirklich so ist. Ein klares Indiz kann zum Beispiel sein: …“

Detektiv Patrick Kurtz: „… wenn einer in den Urlaub fährt – was auch immer mal wieder vorkommt, das ist gar nicht so selten –, dann ist es natürlich auch ein eindeutiger Sachverhalt.“


Silhouette von Mann mit Koffer und Rucksack vor Flughafenfensterfront; Duisburg Wirtschaftsdetektei, Duisburg Wirtschaftsdetektiv, Duisburg Privatdetektiv, Duisburg Privatermittler

Alexander Nette: „Und dann erlebt Patrick Kurtz auch immer wieder, dass Arbeitnehmer während der Krankschreibung einem anderen Job nachgehen. Das kann dann so genannter Entgeltfortzahlungsbetrug sein, wie Rechtsanwalt Arendt Gast sagt. Dann darf der Arbeitgeber fristlos kündigen. In anderen Fällen ist es aber nicht so eindeutig. Schließlich dürfen auch Menschen, die krankgeschrieben sind, das Haus verlassen und zum Beispiel spazieren gehen und einkaufen.“


Persönliche Wertungen und Behauptungen des Beitragsverfassers und des Moderators


Alexander Nette: „Eigentlich dürfen sie alles tun, was ihrer Genesung nicht schadet. Und so landen diese Fälle dann häufig auch vor Gericht und gehen nicht selten auch zugunsten des Arbeitnehmers aus.“

[Anmerkung der Detektei Kurtz: Der erste Satz pauschalisiert zu sehr, um valide sein zu können. Der zweite Satz bezieht sich auf Fälle von vermutetem Krankschreibungsbetrug im Allgemeinen, nicht auf von Detektiven aufgeklärte Fälle im Speziellen.]

Moderator: „Danach würde ich mir aber als Arbeitnehmer schon überlegen, ob ich da weiter arbeiten will. Wenn man einem Detektive auf den Hals setzt, anstatt ein Gespräch zu suchen, wenn man sich krank meldet. Aber das passiert. Alexander Nette hat mit einem gesprochen, der auch immer wieder beauftragt wird, krank geschriebene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu beschatten. Ist aber ein Eingriff in unsere Persönlichkeitsrechte, darf nur bei konkreten Anhaltspunkten passieren – dass wir das hier nochmal klargezogen haben.“


Anmerkung der Detektei Kurtz zum abschließenden Kommentar des Moderators


Hier wird mit falschen Annahmen spekuliert und daraus pauschal ein verkürzt gedachtes arbeitgeberkritisches Narrativ konstruiert. Wenn ein Arbeitgeber Wirtschaftsdetektive zur Mitarbeiter-Observation engagiert, hat das in aller Regel eine umfangreiche Vorgeschichte, in der selbstredend vor der Beauftragung von Detektiven das Gespräch mit dem betreffenden Arbeitnehmer gesucht wurde, meist mehrfach und auf verschiedenen Wegen. Es gibt zwar auch anders gelagerte Fälle, bspw. solche mit konkreten, akuten Hinweisen auf unmittelbar stattfindende Betrugshandlungen zum Schaden des Arbeitgebers, aber auch hier muss man differenzieren: Ein vorab geführtes Gespräch könnte zur Sensibilisierung der Zielperson führen, damit die Arbeit der Detektei erschweren und folglich im Widerspruch zu konkreten wirtschaftlichen und rechtlichen Eigeninteressen des Arbeitgebers stehen. Es wäre hier widersinnig, dem Arbeitgeber eine moralische Schuld anzulasten (zumal dies aus einem rein persönlichen Rechtsempfinden erfolgt).

Überdies erscheint fraglich, weshalb ein Arbeitgeber verpflichtet sein sollte, eine einvernehmliche Lösung zu suchen, wenn er der Überzeugung ist, einseitig von seinem Arbeitnehmer betrogen worden zu sein. Die Bedeutung des Faktors Vertrauen wird in diesem Zusammenhang gern verkannt bzw. wird einseitig lediglich die Empörung des Arbeitnehmers über den Vertrauensbruch Detektiveinsatz in die Betrachtung einbezogen. Bei den meisten Beauftragungen ist der Ermittlungsansatz Observation das mildeste dem Arbeitgeber zur Verfügung stehende Mittel, um seine wirtschaftlichen Interessen gegen Straftaten aus der eigenen Belegschaft zu schützen. 


*Anmerkung zum Beitragstitel


Der Titel ist natürlich katastrophal tendenziös. Korrekt und akzeptabel wäre die Formulierung „krank geschriebene Beschäftigte“ anstelle von „kranke Beschäftigte“ gewesen. Es ist mit Blick auf das Ideal einer objektiven journalistischen Berichterstattung bedauerlich, dass für diesen Beitrag, nebst diversen inhaltlich unsauberen Formulierungen, so deutlich die Arbeitnehmer-Brille aufgesetzt wurde (Verständnis für Blaumacher wird bereits in der Anmoderation expliziert) und folglich viele Aussagen durch die Eigenperspektive geprägt sind. Der Schaden, den AU-Betrüger am Arbeitgeber, den Kollegen und der Allgemeinheit verursachen, wird so in zweifelhafter Manier bagatellisiert. Zudem evoziert der Beitrag die unzutreffende Vorstellung, dass die Privatsphäre von Otto Normalarbeitnehmern durch Privatdetektive gefährdet sei. Realistischerweise dürften Fälle, in denen der Detektiv-Beauftragung keine Straftaten zum Schaden des Arbeitgebers vorangegangen sind, äußerst selten sein.


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„Chef, bin heute krank!“ – ZEIT-Artikel mit der Kurtz Detektei Leipzig


Carla Neuhaus präsentierte 2024 in der ZEIT einen großen Artikel zum Thema Krankschreibungsbetrug, an dem Privatdetektiv Patrick Kurtz von der Kurtz Detektei Leipzig als Interviewpartner mitwirkte:


ZEIT-Artikel „Chef, bin heute krank!“


„Noch nie fielen so viele Beschäftigte aus – auch weil es leicht ist, an ein Attest zu kommen. Deutschland kostet das viele Milliarden Euro.



Wenn Privatdetektive Blaumacher überführen


Da will einer zum Rammstein-Konzert – aber der Chef gibt ihm nicht frei. Also meldet er sich krank. Ein typischer Fall für Patrick Kurtz. Der ist Privatermittler. Blaumacher zu ertappen, ist sein Job. „Wir haben auch schon jemanden beim Stelldichein im Wald erwischt, der eigentlich krankgeschrieben war“, sagt er. Ein anderer habe sich ein Attest vom Arzt geholt und sei in die Flitterwochen geflogen.

Es muss schon einiges vorgefallen sein, bis eine Firma bei der Detektei Kurtz anruft und die eigenen Angestellten observieren lässt. Und doch kommt das immer wieder vor. „In der Regel gibt es dann nicht zum ersten Mal den Verdacht, dass sich der Betreffende krankmeldet, obwohl er nicht krank ist“, sagt der Privatermittler. Seine Aufgabe: gerichtsfeste Beweise besorgen. Fotos vom Konzert, vom Flughafen. Für die Kündigung.


Krankentage in Deutschland auf Rekordhoch


Dabei beginnt es oft harmlos. Man würde lieber im Bett bleiben, kann sich nicht aufraffen, zur Arbeit zu gehen – und schwänzt. Die Bettkanten-Entscheidung nennen das die Krankenkassen. Unternehmensberater Joachim Pawlik hält es für ein Massenphänomen. Er hat kürzlich eine Umfrage gemacht, die ergab: Fast 40 Prozent der Erwerbstätigen finden es völlig „okay, mal krankzumachen, auch wenn man eigentlich arbeiten könnte“.

Das passt zu vielem, was in diesem Land gerade schiefläuft. Zur miesen Stimmung. Dem mauen Wachstum. Und zum auffallend hohen Krankenstand. Fast zehn Tage fehlte jeder Versicherte im Schnitt bereits im ersten Halbjahr, zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse. So viel wie nie in den ersten sechs Monaten eines Jahres. Dabei hatten die Kassen schon im vergangenen Jahr einen Rekord gemeldet.


Rekord-Krankenstand mit Virenbelastung allein nicht zu erklären


Nun mag man einwenden: Viele Kolleginnen und Kollegen liegen doch gerade tatsächlich flach. Und natürlich stimmt das auch. Nicht alle, die derzeit auf der Arbeit fehlen, sind Blaumacher. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind derzeit sowohl Corona- als auch Rhinoviren stark verbreitet. Dadurch leiden für diese Jahreszeit ungewöhnlich viele Menschen an Husten, Schnupfen oder grippalen Infekten.

Allerdings reicht die derzeitige Virenbelastung allein nicht, um den aktuellen Krankenstand zu erklären. Er falle deutlich höher aus als bei früheren Grippewellen, sagt Claus Michelsen. Der Ökonom sitzt in der Geschäftsführung des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen und hat sich die Krankenstände genauer angeschaut. Was ihm aufgefallen ist: In den USA, Kanada oder Australien sind sie seit 2022 deutlich zurückgegangen – in Deutschland steigen sie seitdem erst so richtig an. Läge der hohe Krankenstand allein daran, dass die Hygienemaßnahmen weggefallen sind und dass Erreger sich deshalb wieder stärker verbreiten, müsste sich die Zahl der Krankschreibungen weltweit ähnlich entwickeln. So ist es aber eben nicht.


Kalender mit Eintrag "Krankenstand"; Detektivagentur in Leipzig, Privatermittler in Leipzig, Detektivbüro in Leipzig, Detektiv-Team in Leipzig

Negative Tendenz bei der Grundeinstellung von Arbeitnehmern


Warum fällt Deutschland so negativ auf? Ein Grund dürfte in der Datenerhebung liegen: Seit 2022 müssen Ärzte den Kassen die Arbeitsunfähigkeit von Beschäftigten mit der sogenannten elektronischen Krankschreibung digital melden. Vorher haben Angestellte den gelben Schein in der Firma abgegeben, die dann die Krankenkasse informieren sollte. Weil Betriebe das nicht immer taten, mussten die Kassen die Zahlen schätzen – und haben sie womöglich lange zu niedrig angesetzt. Allerdings müssen sie schon sehr danebengelegen haben, um die große Zunahme an Krankschreibungen zu erklären.

Bleiben die Angestellten selbst. Und tatsächlich zeigt sich: Das Verhalten im Krankheitsfall hat sich seit der Coronapandemie verändert. 2018 gingen noch die Hälfte der Angestellten mit einem leichten Infekt zur Arbeit, heute machen das nur noch 34 Prozent, zeigt eine Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK. Auch bei Rückenschmerzen bleiben demnach inzwischen mehr zu Hause.

Die Umfrage ergab aber noch etwas anderes. Nämlich dass sich viele eben doch schon mal krankmelden, obwohl sie es nicht sind. Fast 60 Prozent der Beschäftigten gaben zu, das zu tun. Zehn Prozent sagten sogar, sie täten das häufig.


Überlastung und Unzufriedenheit als Ursachen für Krankschreibungen?


Berater Joachim Pawlik erklärt sich das mit einer allgemeinen Erschöpfung und Unzufriedenheit im Job. Jeder Vierte glaubt seiner Erhebung zufolge, dass es eh keinen Unterschied macht, ob er im Büro auftaucht oder nicht. 28 Prozent fragen sich, warum sie noch zur Arbeit erscheinen, „wenn doch alles bergab geht“.

Ökonomen überrascht das nicht. Menschen lassen sich von der allgemeinen Wirtschaftslage beeinflussen. Sogar bei der Frage, ob sie sich krankmelden oder nicht.


Fehlender Leistungsdruck durch geringe Arbeitslosenquote?


Die Krankenkasse DAK-Gesundheit listet drei Punkte auf, die Krankschreibungen tendenziell steigen lassen: eine geringe Arbeitslosigkeit, eine individuell hohe Belastung im Job und ein schlechtes Betriebsklima. Auf viele Branchen treffen gerade alle drei Punkte zu.

Die meisten Menschen müssen sich trotz der schwachen Konjunktur aktuell keine Sorgen um ihren Job machen – also auch nicht fürchten, entlassen zu werden, wenn sie häufiger mal fehlen. Andererseits aber steigt durch den Fachkräftemangel auch der Druck auf den Einzelnen, mehr leisten zu müssen. „Das ist ein Teufelskreis“, sagt Nils Backhaus von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Meldet sich jemand in einer Abteilung krank, die ohnehin schon unterbesetzt ist, sind die Übrigen noch stärker belastet.


Arbeitnehmer-Ausfallquote als Rezessionstreiber?


Darunter leiden die Betriebe, die Beschäftigten – und die Wirtschaft insgesamt. Bis zu einem gewissen Grad können Firmen Ausfälle zwar kompensieren durch Überstunden oder einen schlechteren Service. Doch dieser Punkt sei längst überschritten, meint Pharmaverbands-Ökonom Michelsen. Zumal das auch nicht in allen Branchen funktioniere. „In der Industrie zum Beispiel machen sich Krankheitsfälle sehr schnell bemerkbar“, sagt er. „Da können Sie nicht einfach das Band langsamer laufen lassen, weil an einer Station nur ein Mitarbeiter steht statt wie sonst drei.“ 

Fallen zu viele Angestellte aus, wird also weniger produziert. So wie im vergangenen Jahr. Michelsen hat das durchgerechnet und kommt auf 25 Milliarden Euro, die Deutschland 2023 entgangen sein dürften, weil ungewöhnlich viele Beschäftigte krankgeschrieben waren. Es ist ein Schätzwert auf Basis von Fehltagen je Branche und Erfahrungswerten aus der Vergangenheit. Doch Michelsen ist überzeugt: „So viel dürfte uns der hohe Krankenstand noch nie gekostet haben.“ Seine These: Wenn nicht so viele ausfallen würden, hätte die deutsche Volkswirtschaft 2023 keine Rezession durchlebt. Michelsens Berechnungen zufolge wäre die Wirtschaft dann um 0,5 Prozent gewachsen.


Politik identifiziert niedrigschwellige Krankschreibung als Problem


Auch die Bundesregierung sieht da ein Problem. In ihrem Papier über die kürzlich beschlossene Wachstumsinitiative heißt es: „In den vergangenen Jahren blieb ein immenses Potenzial des Arbeitsmarktes auch aufgrund des erhöhten Krankenstandes der Arbeitnehmenden ungenutzt.“ Das will sie sich angesichts des mauen Wachstums nicht mehr leisten. Nur, was tun?

Die Regierung nennt in ihrem Papier lediglich eine Option: Sie will die telefonische Krankschreibung überprüfen und sie „im Rahmen einer möglichst bürokratiearmen Lösung anpassen“. Das klingt herrlich unkonkret, zeigt aber, wo die Ampel das größte Problem sieht: Sie fürchtet, dass es in Deutschland schlicht zu leicht geworden ist, sich ein Attest vom Arzt zu besorgen.

Möglich, dass sie recht hat. Seit der Coronapandemie können sich Beschäftigte auch krankschreiben lassen, indem sie lediglich mit dem Arzt telefonieren – also nicht vorbeikommen. Ex-Kanzlerin Angela Merkel wollte damit verhindern, dass Patienten mit Corona in die Praxen kommen und andere anstecken, nur weil sie ein Attest brauchen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) machte daraus im vergangenen Jahr eine Dauerlösung, um die Praxen zu entlasten.

Nicolas Ziebarth der am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall forscht, meint: „Es ist dadurch definitiv einfacher geworden, sich krankschreiben zu lassen.“ Am Telefon zu flunkern, ist schließlich etwas anderes, als eine Ärztin anzulügen, die einem persönlich gegenübersitzt. Dazu passen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Anfang Juli: 36 Prozent der Männer geben zu, bei einem solchen Telefonat mit einem Arzt schon geschummelt zu haben. Bei den Frauen sind es 19 Prozent.


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Sport trotz Krankschreibung und Schonungspflicht? Keine Seltenheit bei der Überprüfung verdächtiger Mitarbeiter durch unsere Detektive aus Leipzig.


Geteilte Meinungen zur telefonischen Krankschreibung


Sollte man die telefonische Krankschreibung also wieder abschaffen? Dafür sprechen sich die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sowie einzelne Unionspolitiker aus. Doch Ziebarth ist skeptisch: „Damit erwischen Sie vielleicht einen kleinen Teil der Blaumacher, machen es aber allen anderen wieder schwerer.“ Vor allem den Praxen.

Die Hausärzte klagen, dass ihre Wartezimmer so schon voll seien. „Wenn die Politik jetzt auch noch die telefonische Krankschreibung abschafft, ist die Arbeit gar nicht mehr zu stemmen“, sagt Markus Beier, Vorsitzender des Bundesverbands der Hausärztinnen und Hausärzte. Ohnehin sei die telefonische Krankschreibung nur möglich, wenn der Arzt den Patienten persönlich kenne. Und wenn es um maximal fünf Tage gehe.


Umfang der gesetzlichen Lohnfortzahlung als Ansatzpunkt


Wie könnte man Blaumacher aber sonst stärker abschrecken? Ökonomisch wäre es wohl am sinnvollsten, dort anzusetzen, wo es den Arbeitnehmern am meisten wehtut: bei der Lohnfortzahlung. Dass man trotz Krankschreibung sechs Wochen lang sein Gehalt bekommt, ist in Deutschland selbstverständlich – anderswo nicht. „Mir ist weltweit kein Land bekannt, in dem es eine so großzügige Lohnfortzahlung gibt wie in Deutschland“, sagt Ziebarth. In Schweden bekomme man für den ersten Krankentag kein Geld, danach nur 80 Prozent des Gehalts.

Die Lohnfortzahlung auch in Deutschland zu kappen, dürfte politisch allerdings wohl kaum durchsetzbar sein. Daran ist schon Helmut Kohl (CDU) gescheitert. Zwar senkte seine Regierung sie 1996 tatsächlich auf 80 Prozent des Gehalts ab, löste damit jedoch Massenproteste aus. Nachfolger Gerhard Schröder (SPD) hob die Zahlung direkt wieder auf 100 Prozent an.


Bonus oder Privatdetektiv – Belohnung oder Abschreckung?


Ziebarth hat eine andere Idee: „Man könnte einen Bonus für Gesunde einführen.“ Wer sich nicht krankmeldet, bekäme am Ende des Monats oder des Jahres eine Extrazahlung. Die auszuhandeln, wäre aber nicht Aufgabe der Politik, sondern der Betriebe. Erste Konzerne denken darüber bereits nach. Der Autobauer Tesla zum Beispiel – sonst nicht gerade für seine Arbeitnehmerfreundlichkeit bekannt – hofft, auf diese Weise den hohen Krankenstand in seinem Werk in Grünheide zu senken.

Für das Betriebsklima ist das sicher förderlicher als der Einsatz von Privatermittlern. Detektiv Patrick Kurtz sagt, er finde in 70 bis 75 Prozent der Fälle Beweise dafür, dass die Zielperson gar nicht krank sei. Wann er scheitert? Wenn jemand zu Hause auf dem Sofa liegt – ob nun krank oder faul, das lässt sich schwer sagen. Und beobachten darf Kurtz jemanden daheim ohnehin nicht. Die Privatsphäre geht vor.“


Privatdetektiv im Auto; Detektiv Sachsen, Leipziger Detektei, Leipziger Privatdetektiv, Leipzig Detektiv

Hinweis


Der Originalartikel erschien 2024 in DIE ZEIT. Die Hervorhebungen (Fettschrift), Zwischenüberschriften und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.


Kurtz Detektei Leipzig

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04318 Leipzig

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