Interview zum Hanau-Attentat mit Ermittler „Holger“ von der Kurtz Detektei Dortmund
Vor dem Attentat von Hanau soll der Täter in Dortmund gewesen sein. Ein Privatdetektiv berichtet von einem Treffen in einem Restaurant. Tobias R. habe einen „verstrahlten“ Eindruck gemacht.
Der Mann, der sich am Freitag bei unserer Redaktion meldet, sagt: „Wenn Sie einen Artikel schreiben, nennen Sie mich einfach Holger.“ Seinen echten Namen nennt er zwar auch. Weil er als Privatdetektiv aber auch „undercover“ arbeitet, möchte er ihn nicht veröffentlicht sehen.
Holger hat vor wenigen Tagen erfahren, dass ein Mann, mit dem er 2019 mehrmals Kontakt gehabt habe, zehn Personen und sich selbst umgebracht hat. Gemeint ist Tobias R., der in Hanau bei Frankfurt zum offenbar rassistisch motivierten Attentäter wurde.
„Er suchte Verbindungen zum Verfassungsschutz“
„Der Erstkontakt kam über unsere Detektei Kurtz in Frankfurt„, sagt der Ermittler, der in einem deutschlandweiten Netzwerk arbeite. Dort habe Tobias R. angerufen und nur den Chef oder einen Stellvertreter sprechen wollen. Verbunden worden sei er zu Holger.
„Er suchte Verbindungen zum Verfassungsschutz und anderen Behörden“, sagt der Mann, der in und um Dortmund arbeitet. Der Mann am Telefon habe gesagt, dass er beschattet und abgehört werde. Die Privatdetektive hätten tatsächlich gute Kontakte, würden sie aber nicht preisgeben, sagt Holger.
Dreimal hätten beide Männer telefoniert. „Der hat nicht locker gelassen“, sagt Holger. In der Branche des Detektivs seien „verstrahlte“ Menschen nicht ungewöhnlich. „Aus persönlichem Interesse“ habe er einem Treffen zugestimmt. Dazu sei es am 24. Oktober im Restaurant Dieckmanns in Dortmund-Syburg gekommen.
Den Stapel Papier habe es im Oktober schon gegeben
„Er sah ganz normal aus“, sagt Holger. Tobias R. habe einen grauen Anzug getragen und sich gewählt ausgedrückt. „Er hat mir aus seinem Manifest vorgelesen“, sagt der Detektiv. Die Ausführungen, die nach den Todesschüssen gefunden wurden, habe Tobias R. schon im Oktober in Dortmund auf den Tisch gelegt. Wie dick der Stapel Papier war, kann Holger nicht genau sagen. Der Umfang von 24 Seiten, der später genannt wurde, komme aber hin.
Im Oktober habe der Hesse davon gesprochen, dass Produzenten aus Hollywood eine Filmidee von ihm geklaut hätten, Donald Trump sei gar durch Gedankenspiele von Tobias R. zum US-Präsidenten geworden. „Mit vier oder fünf Jahren habe er gemerkt, dass er abgehört wurde“, sagt der Detektiv: „Das hatte er von Kindesbeinen an in sich.“
Detektiv Holger hatte den Eindruck, der Mann habe versucht, Leute zu finden, die ihm in seiner Verwirrung helfen können. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er zu so etwas fähig gewesen wäre. Er sprach von einer Geheimorganisation, zu der wir einen Kontakt herstellen sollten.“
Nach etwa zweieinhalb Stunden seien die beiden Männer auseinandergegangen. Sie einigten sich, dass Tobias R. dem Detektiv seine Informationen zuschicken sollte. Doch seitdem habe Holger nichts von ihm gehört. Bis zur Tat mit elf Toten im Februar.
„Ich kann mir da keinen Fehler zuschieben“
Als Detektiv müsse er diskret mit einem Klienten umgehen, sagt Holger. „Ich kann ja nicht zur Polizei gehen und sagen: ‚Gucken Sie mal, der Mann ist verrückt.‘ Die lachen mich ja aus.“ Tobias R. habe überhaupt nicht den Anschein gemacht, Gewalttaten verüben zu können. Von Waffen sei auch nie die Rede gewesen.
Nach der Tat in Hanau habe sich Holger bei der Polizei gemeldet, um eine Zeugenaussage zu machen. „Ich kann mir da keinen Fehler zuschieben“, sagt der Detektiv. Kurz nach dem Dortmunder Treffen, im November, erstattete Tobias R. selbst eine Anzeige gegen eine unbekannte Organisation, die das Weltgeschehen steuere. Da hatte die Bundesanwaltschaft Kontakt mit dem späteren Attentäter.
Am Samstag schaut Holger sogar selbst in der Redaktion vorbei. Noch etwas ist ihm wichtig: Tobias R. in Zusammenhang mit Rassismus oder Rechtsextremismus zu rücken, sei seinem Eindruck nach „alles Quatsch“. Tobias R. sei einfach krank gewesen. „Der Mord war ein Ventil.“
Hinweise
Der Originalartikel von Kevin Kindel erschien in den Ruhr Nachrichten. Die Hervorhebungen (Fettschrift) und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Unser Beileid gilt den Opfern und ihren Angehörigen.
Interview Radio Wuppertal mit Detektiv Patrick Kurtz zum Hanau-Attentäter
Sebastian Kaiser von Radio Wuppertal 107,4 befragte Patrick Kurtz von der Kurtz Detektei Wuppertal in Barmen zwei Tage nach dem Hanau-Attentat zu seiner Verbindung mit dem mutmaßlichen Täter Tobias R. Der Audio-Mitschnitt des Gesprächs ist hier abrufbar. Nachfolgend eine Abschrift.
Anliegen des späteren Täters: Vermittlung von Behördenkontakten
Radio Wuppertal: „Sie hatten vor vier Monaten ein Treffen mit dem Attentäter von Hanau. Wie kam es dazu?“
Patrick Kurtz: „Der Attentäter hatte sich schon im Juni an uns gewandt, weil er unbedingt gern ein Treffen mit mir persönlich haben wollte. Das ist dann allerdings nicht zustande gekommen, sondern er hat sich mit einem Ermittler aus Unna getroffen, der für mich arbeitet. Der Hintergrund der Anfrage war, dass er unbedingt die Vermittlung eines Behördenkontaktes haben wollte, entweder zum BND oder zum MAD oder zu anderen Behörden, weil er der Meinung war, dass es eine Geheimorganisation gebe, die die gesamte Weltpolitik bestimme und von der in Deutschland lediglich Angela Merkel und der Chef des Bundesverfassungsschutzes wissen würden. Und er wollte sich eben an diese Personen wenden, wollte den Kontakt über uns vermittelt bekommen, um seine persönliche Paranoia, seine persönlichen Verschwörungstheorien aufzuklären.“
Radio Wuppertal: „Wussten Sie schon, als der Kontakt zustande kam, dass der diese Verschwörungstheorien hat?“
Patrick Kurtz: „Die Verschwörungstheorien hatte er beim Erstkontakt natürlich noch nicht erwähnt. Er wollte erst einmal mit mir persönlich ein Treffen haben. Das ist logistisch meistens sowieso nicht möglich, dafür habe ich einfach andere Ermittler, die sich um solche Auftragsgespräche kümmern. Dementsprechend ist er dann weitervermittelt worden an andere Ermittler. Die meisten Ermittler wollten das aber sowieso schon nicht annehmen, während es aber meinen Ermittler aus Unna sehr interessiert hat – aus psychologischen Gründen. Er wollte einfach mal schauen: Wie tickt denn so ein Mensch? Wir haben ganz, ganz häufig solche Anfragen – von paranoiden Leuten, von schizophrenen Leuten. Aber er war eben noch mal so ein kleines bisschen spezieller, dadurch dass er sehr, sehr eloquent wirkte, dass er intelligent wirkte. Und abgesehen von seinen Theorien, die natürlich vollkommen wirr waren, keine Anzeichen gezeigt hat dafür, dass er tatsächlich Gewaltpotential hat und auch im Allgemeinen: dass er vollkommen verrückt war. Das muss man ja so feststellen.“
Der Eindruck im persönlichen Treffen
Radio Wuppertal: „Welchen Eindruck hat er denn gemacht im Treffen?“
Patrick Kurtz: „Das Treffen fand im Landhaus Dieckmanns statt, in Dortmund. Er kam dort im Anzug an, hatte kurze Haare, sah sehr gepflegt aus. Da würde man nie vermuten, dass dahinter so etwas steckt.“
Radio Wuppertal: „Und er hat nicht gewalttätig gewirkt?“
Patrick Kurtz: „Er hat nicht im allergeringsten gewalttätig gewirkt. Er hat meinem Ermittler Teile seines „Manifests“ vorgelesen. Er hatte das gesamte „Manifest“ dabei. Ich kann nicht sagen, ob es hundertprozentig dem entspricht, was jetzt veröffentlicht worden ist, aber zumindest in sehr, sehr weiten Teilen, wenn nicht wirklich komplett. Und er hat eben Teile daraus vorgelesen. Aber er hat wohl bewusst das rausgelassen, wo es um die gröberen Gewaltaufforderungen geht, und hat eben die etwas harmloseren Passagen vorgetragen. Aus diesen harmloseren Passagen war aber natürlich für den Ermittler schon vollkommen klar, dass der Mann unter Verfolgungswahn leidet und dass das keine zielführende Ermittlung werden würde, wenn wir jetzt wirklich einen Vertrag mit ihm schließen würden.“
Radio Wuppertal: „Das heißt, es ist bei dem einen Treffen geblieben?“
Patrick Kurtz: „Es ist bei dem einen Treffen geblieben und es gab vorher diverse Telefonate, bevor es zu diesem Treffen gekommen ist.“
In einem Kaminzimmer des Dortmunder Restaurants Dieckmanns trafen sich der Unnaer Ermittler der Detektei Kurtz und Tobias R. im Oktober 2019.
Alltag in einer Detektei: Verschwörungstheorien en masse
Radio Wuppertal: „Diese Verschwörungstheorien, dieser Verfolgungswahn sind das Eine. Hat er irgendwie sich rassistisch geäußert?“
Patrick Kurtz: „Ob er sich rassistisch geäußert hat, kann ich gar nicht sagen. Ich war ja, wie gesagt, nicht persönlich beim Gespräch dabei. Da müsste ich noch mal nachfragen bei meinem Kollegen.“
Radio Wuppertal: „Sie haben es eben schon gesagt, vielleicht noch ein paar Sätze dazu: Das ist nicht ungewöhnlich für eine Detektei – sowas, Menschen mit Verschwörungstheorien, mit Verfolgungswahn?“
Patrick Kurtz: „Das ist bei uns überhaupt nicht ungewöhnlich, dass Leute mit psychischen Störungen bei uns anrufen. Wir haben eine Abteilung Lauschabwehr und Abhörschutz. Die lädt natürlich schon per se dazu ein, dass Leute, die sich verfolgt fühlen, sich an uns wenden, weil sie glauben, wir könnten Abhörmittel aufspüren, die in ihren Wohnungen vermeintlich verbaut sind, in ihren Fahrzeugen oder manchmal auch in ihren Köpfen, in ihren Körpern im Allgemeinen. Da gibt’s die tollsten Geschichten. Deswegen wenden die sich eben an uns. Und das haben wir, würde ich sagen, fast jeden Tag. Bei diesem Attentäter war nicht weiter zu erkennen, dass er ein besonderes Gefährdungspotential aufweisen würde im Vergleich zu den anderen.“
Wie der letztjährige Kontakt wiederentdeckt wurde
Radio Wuppertal: „Nachdem das Attentat war, wann und wie haben Sie dann realisiert: Mit dem hatten wir Kontakt?“
Patrick Kurtz: „Wir haben heute Morgen festgestellt, nachdem das „Manifest“ veröffentlicht worden war, dass wir mit ihm Kontakt hatten. Dem Ermittler ist aufgefallen, dass der Wortlaut eins zu eins dem entsprach, was ihm der Attentäter damals beim Treffen vorgetragen hatte. Dann haben wir dementsprechend unsere Anfragenlisten durchgeguckt und sind tatsächlich auf diese Person gestoßen, dass sie im Juni bei uns angerufen, um ein Treffen gebeten und dann noch diverse weitere Male angerufen hat.“
Radio Wuppertal: „Was haben Sie da gedacht, als Sie gemerkt haben: Meine Detektei hatte Kontakt mit dem Attentäter?“
Patrick Kurtz: „Ich hab erst mal gedacht, wahrscheinlich haben wir dann jetzt Informationen, die relevant sein könnten für die Polizei. Wir haben auch direkt den Kontakt zur Polizei gesucht. Und dann natürlich weitergehend, dass es auch relevant wäre für die Presse und dementsprechend sind wir jetzt im Gespräch.“
Hätte die Tat vorhergesehen werden können?
Radio Wuppertal: „Aber Sie haben jetzt auch kein schlechtes Gefühl? Uns hätte da was auffallen müssen/können? Die Frage stellt man sich ja wahrscheinlich? Das ist erst mal so ein menschlicher Impuls, oder?“
Patrick Kurtz: „Ja. Ich kann das vollkommen nachvollziehen, dass man sich als Außenstehender diese Frage stellt: Hätte einem das nicht auffallen müssen angesichts dessen, was er auch geschildert hat? Aber wenn Sie hier wären, wenn Sie hier täglich arbeiten würden bei uns und würden sich anhören, was hier alles an Anrufen reinkommt mit den verrücktesten Geschichten … Wenn man wirklich jede einzelne dieser Geschichten ganz ernst nehmen würde und würde sagen, da muss man jetzt eine Meldung machen an die Polizei – die würden gar nicht mehr den Hörer abnehmen, weil wir so viele Geschichten zu schildern haben. Das würde wirklich überhaupt keinen Sinn machen.“
Unser Beileid gilt den Opfern und ihren Angehörigen.
Bericht über die Detektei Kurtz und Tobias R. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Der Attentäter von Hanau hat sich im Oktober 2019 mit einem Detektiv getroffen. Er bat ihn um Hilfe, weil er sich von einem Geheimdienst beschattet sah. Die Aussagen, die Tobias R. damals machte, stützen das Bild eines geisteskranken Täters.
Wahnbild: Gedanken als Blaupause für amerikanische Politik
Der Hanauer Massenmörder Tobias R. hat nach Informationen der F.A.Z. im Juni des vergangenen Jahres Kontakt zur Detektei Kurtz aufgenommen, von der er sich Unterstützung bei der Aufdeckung eines von ihm wahnhaft imaginierten Geheimdienstes erhoffte. R. hätte am Telefon erklärt, dass in Deutschland nur die Bundeskanzlerin und der Verfassungsschutzpräsident von der Existenz dieses Geheimdienstes wüssten, sagt Kanzleiinhaber Patrick Kurtz. R. habe gehofft, dass die Detektei, die mit guten Beziehungen zu Sicherheitsbehörden wirbt, ihm einen Kontakt beim Verfassungsschutz vermitteln könne, um die Sache aufzuklären. „Wir haben das natürlich abgelehnt; uns war auch recht schnell klar, dass bei dem Mann psychisch etwas nicht in Ordnung ist“, sagt Kurtz.
Nach mehreren weiteren Telefonaten erklärte sich Holger E., ein leitender Mitarbeiter der Detektei, dennoch zu einem Treffen bereit, das für den 24. Oktober 2019 in einem Gasthof in Dortmund angesetzt wurde. „Herr R. machte auf den ersten Blick einen aufgeräumten Eindruck“, sagt Holger E. „Grauer Anzug, schwarze Schuhe, helles Hemd, kurze Haare, gepflegtes Äußeres.“ Bei dem Treffen habe R. ihm diverse Passagen aus einem mitgebrachten Dokument vorgelesen; daraus sei hervorgegangen, dass R. bereits seit frühen Kindestagen Stimmen hört, und, dass er glaubt, seine Gedanken würden aus seinem Kopf gestohlen und als Blaupause für die amerikanische Filmbranche und die Politik des amerikanischen Präsidenten genutzt.
„Er wirkte auf mich nicht gewaltbereit“
Holger E. ist sich sicher: „Das waren dieselben Passagen, die jetzt auch in diesem 24 Seiten langen Dokument auftauchen, das oft als Manifest des Täters bezeichnet wird.“ Die fremdenfeindlichen Abschnitte des Manifestes habe R. ihm damals allerdings nicht vorgelesen; auch nicht jene, die Andeutungen eines geplanten Anschlags enthalten.
„Er wirkte auf mich nicht gewaltbereit und hat auch nichts von seinem Waffenschein erwähnt“, sagt Holger E. Bei der Detektei würden sich fast täglich Menschen mit psychischen Störungen melden, die etwa glauben, dass ihre Wohnung abgehört wird, oder dass sie mit Strahlen beschossen werden. Anzeige bei der Polizei würde nur erstattet, wenn auch Hinweise auf Gewaltbereitschaft vorlägen.
Große Zahl an psychisch gestörten Anrufern
Tobias R. habe sich von vielen anderen psychisch kranken Mandanten insofern unterschieden, als dass er überdurchschnittlich intelligent und eloquent und zur Bewältigung des Alltags fähig gewirkt habe. „Ich habe ihn so verstanden, dass er auch längere Zeit beschäftigt war, zum Zeitpunkt unseres Gespräches aber wohl nicht mehr“, sagt Holger E. „Er schien aber keine Geldsorgen zu haben.“ Soziale Kontakte habe Tobias R. nicht erwähnt, mit Ausnahme eines Freundes, der an verschiedenen Stellen in seinem Manifest als Gesprächspartner auftaucht.
Aber warum wurde überhaupt ein Treffen mit Tobias R. vereinbart, wenn doch aus den Telefonaten schon klar hervorging, dass der Mann keinen Detektiv brauchte, sondern einen Arzt? „Die Leute, die sich bei uns melden, haben oft schon viele erfolglose Therapieversuche hinter sich“, sagt Kurtz. Manchmal könne es ihnen helfen, wenn sie den Eindruck erhielten, dass sich jemand um ihre Probleme kümmere. Holger E. sagt, er habe Tobias R. zum Ende des Gesprächs gebeten, ihm die zentralen Passagen seines Manifests doch einmal zusammenzustellen und zuzusenden; er werde dann sehen, was er für ihn tun könne – gehört habe er von R. danach nie wieder.
Hinweise
Der Originalartikel von Constantin van Lijnden erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.). Die Hervorhebungen (Fettschrift) und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Unser Beileid gilt den Opfern und ihren Angehörigen.
Bericht über die Detektei Kurtz und Tobias R. in der Westdeutschen Zeitung
Abwimmeln ließ sich Tobias R. nicht so leicht. Immer wieder habe der Mann im vergangenen Jahr bei der Detektei Kurtz, die unter anderem einen Sitz in Wuppertal-Barmen hat, angerufen und die dort tätigen Experten um Rat gefragt: Im Juni 2019 zum ersten Mal, dann weitere Male, im Oktober wohl immer drängender. Tobias R. fühlte sich offenbar „von allen Seiten verfolgt und war insbesondere der Überzeugung, dass die Welt von einer Geheimorganisation unter amerikanischer Führung geleitet werde, von der in Deutschland nur Angela Merkel und der Chef des Bundesverfassungsschutzes Kenntnis hätten“, erzählt dieser Redaktion am Freitag Patrick Kurtz, ein Thüringer, der gerade von Wuppertal aus seine 30 Betriebsstätten starke Detektei mit Hauptsitz in Leipzig leitet. Kurtz wirkt glaubwürdig.
Die „sehr guten Behördenkontakte“ der Detektei habe R. für einen Kontakt zum Bundesnachrichtendienst und „diversen anderen staatlichen Organisationen“ nutzen wollen. Das Anliegen habe man abgelehnt. Dann habe es ein Treffen mit einem von Kurtz’ Ermittlern gegeben, dem Tobias R. ein selbst verfasstes Manifest vorgelegt habe. Angeblich genau jenes Manifest, das zwei Tage nach dem rassistischen Terror-Anschlag von Hanau, bei dem elf Menschen ums Leben gekommen sind, die Republik beschäftigt.
Soll heißen: Patrick Kurtz hat Kontakt zum Täter von Hanau gehabt, hat selbst mit ihm telefoniert. Und einer seiner Ermittler, der seinen Namen nicht genannt wissen will, habe sich am 24. Oktober vergangenen Jahres im Landhaus Dieckmanns in Dortmund mit Tobias R. getroffen. „Er ist neugierig geworden, weil Tobias R. absolut eloquent und intelligent wirkte. Er wollte herausfinden, ob wir nicht doch irgendwie tätig werden können“, erzählt der 30 Jahre alte Kurtz am Freitag.
„Wir haben solche Problemfälle fast täglich“
Im Termin in Dortmund sei schnell klar geworden, dass Tobias R., der mit „grauem Anzug, kurzen Haaren und gewählter Sprache“ aufgetreten sei, unter Verfolgungswahn gelitten haben musste. „Wir haben solche Problemfälle fast täglich, aber man denkt natürlich nicht, dass dann einmal so eine Bluttat daraus entsteht“, sagt Kurtz. Von einer Weitergabe des „Falls“ an die Polizei habe die Detektei seinerzeit abgesehen. „Zumal Herr R. keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft zeigte.“
Teile des Manifestes habe Tobias R. dem Ermittler in dem Dortmunder Landhaus vorgelesen. Die offen rassistischen Inhalte hätten dabei allerdings weniger eine Rolle gespielt. „Unser Ermittler hat das Manifest am Donnerstag nach dessen Veröffentlichung im Internet wiedererkannt. Danach haben wir unsere Kontakte geprüft und sind auf Tobias R. gestoßen“, erzählt Kurtz. Vorwürfe, die Sache nach dem Treffen auf sich beruhen gelassen zu haben, macht sich der Detektei-Inhaber nicht. „Die Polizei würde uns nicht ernst nehmen, wenn wir jeden Spinner melden würden.“ Jetzt allerdings hat er sein Wissen über den Täter von Hanau selbstständig an die Polizei weitergegeben.
Richtigstellung
Patrick Kurtz hatte nie persönlich Kontakt mit Tobias Rathjen. Diverse Mitarbeiter der Detektei Kurtz hatten telefonischen Kontakt zum mutmaßlichen Täter von Hanau und einzig der Dortmunder Detektiv Holger E. traf sich persönlich mit ihm. Dabei tätigte Tobias Rathjen keinerlei Äußerungen gewalttätigen, gewaltverherrlichenden oder fremdenfeindlichen Charakters.
Hinweise
Der Originalartikel von Olaf Kupfer erschien in der Westdeutschen Zeitung. Die Hervorhebungen (Fettschrift) und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Unser Beileid gilt den Opfern und ihren Angehörigen.
Für das Themenmagazin „Im Blick“ des Senders Rhein-Main TV interviewt Robert Murrmann Privatdetektiv Patrick Kurtz im Büro der Kurtz Detektei Frankfurt. Nachfolgend eine Abschrift des Interviews. Hier der Link zum Video.
Drei Fragen an einen Detektiv
Frage 1: Welche Voraussetzungen braucht ein guter Detektiv?
Patrick Kurtz: „Um Detektiv zu werden, sollte man Köpfchen haben, meiner Meinung nach – das ist ganz wichtig. Sitzfleisch, also ganz, ganz viel Geduld. Konzentrationsfähigkeit: Wenn man über viele Stunden auf einen Punkt fokussiert sein muss, an dem vielleicht gar nichts passiert, dann ist das anstrengend, dann ist das mental fordernd. Diese Geduld und Konzentrationsfähigkeit, die braucht man also.
Was mir häufig geholfen hat, ist körperliche Fitness. Es erleichtert mir, bei Observationen zum Beispiel, gerade bei Fußobservationen, den Abstand groß zu halten und also unauffällig zu bleiben, ohne dass ich den Sichtkontakt verliere, weil ich eben schnell aufschließen kann, weil ich flexibel bin und mich auch nicht davor scheue, mal über eine Mauer oder über einen Zaun zu klettern, wenn es legal und zielführend ist. Und dementsprechend halte ich die körperliche Fitness auch für wichtig.“
Frage 2: Welche Vorurteile begegnen Ihnen täglich bei der Arbeit?
Patrick Kurtz: „Viele denken natürlich an solche Geschichten wie Trovatos und Carsten Stahl. Damit haben wir auch zu kämpfen bei manchen Anfragen von Klienten. Wir müssen ihnen so ein bisschen die Flausen aus dem Kopf treiben, weil sie eben denken, wir könnten da sonst was für Späße machen, die gegen das Persönlichkeitsrecht der Zielperson verstoßen. Zum Beispiel mit Richtmikrofonen arbeiten auf größere Distanzen, also Leute abhören – so etwas ist ein No-Go in unserer Branche, dazu haben wir überhaupt keine Rechte. Zum Beispiel auch in Privaträume hinein fotografieren, quasi beim Stelldichein – bei der Untreue – am besten noch unter die Bettdecke fotografieren. Das sind so Geschichten, die wir natürlich auch nicht machen dürfen.
Und dementsprechend werden teilweise falsche Erwartungen durch das Fernsehen geweckt, und die Leute kommen dann auch mit falschen Erwartungen auf uns zu.“
Frage 3: Wie aufregend ist der Beruf wirklich?
Patrick Kurtz: „Die Spannung in unserem Job, die ist ganz, ganz unterschiedlich, von Fall zu Fall total individuell. Viele Fälle sind wirklich gähnend langweilig. Da sitzt man stundenlang im Auto, manchmal auch 10 Stunden, 12 Stunden, und das dann über mehrere Tage hinweg, ohne dass wirklich etwas Relevantes passiert. Das ist einfach ganz, ganz viel warten. Und das ist natürlich der Punkt, an dem es auch ein anstrengender Job ist und nicht unbedingt ein schöner Job.
Es gibt aber natürlich auch immer wieder extrem spannende Fälle. Einmal vom Sachverhalt her, also wenn es nicht unbedingt die Standardgeschichten sind wie Untreue – das haben wir natürlich tausendmal gesehen, und es ist auch nicht unbedingt so, dass wir da immer wieder was Neues erleben. Und dann gibt es Fälle, in denen einfach viel passiert. Wenn viel passiert, dann macht es Spaß. Wenn die Zielperson sich viel bewegt und man mit dem Fahrzeug hinterher sein muss, man immer konzentriert sein muss, dass man sie nicht im Straßenverkehr verliert oder auch in der Fußgängerzone, je nachdem wie der Fall gelagert ist, dann ist das einfach spannend und dann macht das Spaß. Aber das ist nicht unbedingt der Alltag.“
In Hinsicht auf das neue – weibliche – Schweizer „Tatort“-Team Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler, das ab Herbst 2020 in den Hauptrollen zu sehen sein wird, befragt die Schweizer Tageszeitung Blick Privatdetektiv Patrick Kurtz von der Kurtz Detektei Zürich und Schweiz zur Frauenquote in der Detektiv-Branche.
Der „Tatort“-Schwindel
„Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher ersetzen Stefan Gubser und Delia Mayer beim Schweizer „Tatort“. Dass zwei Kommissarinnen zusammen Verbrechen aufklären, ist ein Fantasiekonstrukt. In der Realität sind sie eine kleine Minderheit.
Auf dem Bildschirm übernehmen Frauen die Ermittungen, in der Realität sind sie eine kleine Minderheit
Schweizer „Tatort“-Fans reiben sich immer noch verwundert die Augen. Vorgestern Mittag präsentierte SRF das neue Ermittler-Duo, welches aus zwei Frauen besteht. Die Winterthurerin Carol Schuler (32) und die welsche Anna Pieri Zuercher (40) gehen ab 2020 als Tessa Ott und Isabelle Grandjean auf Verbrecherjagd und ersetzen Stefan Gubser (61) und Delia Mayer (52). Diese erstaunliche Umbesetzung passt zum harten Schnitt, der mit dem schon länger kommunizierten Schauplatzwechsel von Luzern nach Zürich einhergeht. „Wir wollen ein modernes Zürich zeigen“, erklärt SRF-Fiktionsleiter Urs Fitze (61) die einschneidenden Veränderungen. „Wir möchten nicht mehr so stark an der Realität kleben, sondern uns mehr Freiheiten nehmen und dem fiktionalen Erzählen grösseren Platz einräumen.“
Die aktuelle Situation bei der Kantonspolizei Zürich zeigt denn auch: Mit der Wirklichkeit hat ein rein weibliches Duo wenig zu tun. Weibliche Ermittler seien in Zürich in der Minderheit, bestätigen die Behörden: „Die rund 20 Mitarbeiter, die bei der Kapo Zürich in Tötungsdelikten ermitteln, wie das die Kommissarinnen im ‚Tatort‘ tun, sind Feldweibel mit besonderen Aufgaben“, sagt deren Mediensprecherin Rebecca Tilen (37). „Davon sind ein Fünftel Frauen. Generell arbeiten bei der Kapo Zürich zirka 20 Prozent Frauen.“
„Zwei Frauen sind unwahrscheinlich“
Der Zürcher Detektiv Patrick Kurtz (29) weiss: „Ich habe in meiner ganzen Tätigkeit noch nie ein Ermittlerteam gesehen, das aus zwei Frauen bestand. Meistens sind zwei Männer zusammen im Einsatz, ab und zu ein Mann und eine Frau, aber zwei Frauen sind sehr unwahrscheinlich.“
Dasselbe gelte übrigens in der Privatdetektiv-Branche, so Kurtz. Aus triftigem Grund: „Die beiden Branchen bauen aufeinander auf. Viele Ermittler der Privatwirtschaft waren vorher bei der Polizei. Hat man dort eine hohe Männer-Quote, bedeutet das automatisch auch eine hohe Männer-Quote bei den Detektiv-Büros.“
Quote ist König
Warum aber setzt SRF nun dennoch auf dieses eigentlich realitätsferne Modell? Ganz einfach: Die Quote ist König. „Die Kommissarinnen sind bei den Zuschauern sehr erfolgreich“, heisst es auf der „Tatort“-Seite der ARD auf die Frage, warum es so viele weibliche Ermittlerinnen gibt. Die Fernbedienung hat immer recht.“
Text: Patricia Broder und Jean-Claude Galli
Hinweise
Der Originalartikel erschien in der Schweizer Tageszeitung Blick. Die Hervorhebungen (Fettschrift) und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Der Ur-Berliner Ermittler Christian von der Kurtz Detektei Berlin coacht Martern Boeselager vom VICE Magazin Deutschland hinsichtlich Observationstaktiken. In Form eines scherzhaften Sozialprojekts zum Motto „Zivilcourage“ nähert sich Martern Boeselager in seinem umfangreichen Artikel realen Observationspraktiken an und nimmt dabei den Bundesverfassungsschutz aufs Korn.
Aber genug gebüffelt! Jetzt wird es Zeit, mir ganz praktisch die Fertigkeiten anzueignen, die ich für diesen Auftrag brauchen würde. Um zu lernen, wie ich echte Geheimdienst-Angestellte beschatte, ohne dass sie mich sofort bemerken und mit ihren vergifteten Regenschirmen stechen, brauche ich Hilfe von einem Profi.
Ein moderner GPS-Tracker inklusive Magnetbox und Akkumodul, mutmaßlich aktuell gängigstes Modell bei deutschen Detektiven.
Observationstipps eines alten Haudegen unter den Berliner Detektiven: Unauffälligkeit auf ganzer Ebene
„Das Wichtigste ist, nicht erkannt zu werden“, erklärt mir Christian von der Kurtz Detektei Berlin. „Sehen könnse dich, aber erkennen dürfense dich nich.“ Christian ist ein Profi: Der 49-Jährige ist seit über zehn Jahren Privatdetektiv, davor war er verdeckter Ermittler bei der Polizei. Er hat sich bereiterklärt, mir das Beschatten zu erklären – und zwar unter realen Bedingungen.
Dazu soll ich ihn einfach auf einer laufenden Observation besuchen. Und so kommt es, dass ich an einem verregneten Morgen mit Christian in seinem schwarzen Audi an einer Straßenecke in Berlin-Schöneberg sitze und darauf warte, dass ein Ex-Knasti auftaucht, der möglicherweise seine Freundin gefangen hält (vielleicht ist sie aber auch einfach nur zu ihm gezogen und ihrer Familie gefällt das nicht, das weiß man nicht so genau).
Observations-Einmaleins: mit der Umgebung verschmelzen
Während wir warten, frage ich Christian, ob er es für leichtsinnig hält, dass ich professionelle Beschatter beschatten will. „Erstmal rechnen die natürlich nicht damit, dass jemand an denen dran ist“, sagt er. „Aber ich glaube, durch diese Tätigkeit hat man einen anderen Blick für die Umwelt. Ich zum Beispiel scanne eigentlich immer die Leute in der Umgebung ab.“
Deshalb sei es besonders wichtig, sich immer der Umgebung anzugleichen. „Auf dem Ku’damm bin ich Tourist, im Grunewald habe ich ’nen Hund dabei, um spazieren zu gehen“, sagt Christian. „In die Umgebung passen, das ist das A und O.“ Mindestens genauso wichtig: die richtige Legende. „Du musst immer für dich selber wissen: Wer bist du gerade? Und was machst du gerade?“
Der richtige Abstand
Und dann geht es an praktische Hinweise: die richtige Entfernung für eine Beschattung zu Fuß zum Beispiel. „Man muss nah genug dran sein, um alles mitzubekommen, aber weit genug, dass man nicht verbrannt wird“, erklärt Christian. „50 Meter, würde ich sagen, Pi mal Daumen. Wenn er um die Ecke geht, muss man halt ein bisschen beschleunigen.“ Mein Vorteil ist hier, dass unsere Verfassungsschützerinnen sich aktuell offenbar damit schwertun, es überhaupt zu erkennen, wenn irgendwo jemand gehetzt oder gejagt wird. Vielleicht gilt das sogar dann, wenn es ihnen selber passiert.
Und noch was: „Wichtig ist: Am aufmerksamsten ist jeder, wenn er gerade sein Haus verlässt“, sagt der Detektiv. „Man guckt immer: Ist alles in Ordnung, ist alles normal? Deshalb sollte man gerade an der Wohnungstür nie zu nah dran sein.“ In meinem Fall bedeutet das: Ich muss Abstand vom Gebäude haben, wenn ich die rauskommenden Verfassungsschützer nicht nervös machen will.
Nach einer knappen Stunde ist das Zielobjekt immer noch nicht aufgetaucht, aber mein Crashkurs beendet. Ich bedanke mich bei Christian. Ich bin bereit, und ich muss los – nach Köln.
Hinweise
Der – deutlich umfangreichere – Originalartikel von Martern Boeselager erschien in VICE. Die Hervorhebungen (Fettschrift), Zwischenüberschriften und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Doppelinterview Kurtz Detektei Bielefeld und Detmolder Detektei Condor
Anmoderation: „Hier ist Radio Lippe. Wir machen heute so ein bisschen den Realitätscheck: Fernsehen gegen das echte Leben. Detektive liefern sich wilde Verfolgungsjagden und decken riesige Skandale auf. Patrick Kurtz arbeitet jetzt nicht für Lenßen und Partner oder so, nein, er ist echter Privatdetektiv aus Bielefeld. Er ist aber auch dienstlich in Lippe unterwegs. Herr Kurtz, welche Klischees rund um den Beruf Detektiv passen denn auf Sie?“
Patrick Kurtz: „Es ist bei mir tatsächlich so, dass die Klischees kurioserweise ein bisschen erfüllt werden. Das heißt, ich habe schon mit 13 Jahren angefangen, Pfeife zu rauchen, also weit bevor ich Detektiv geworden bin. Und ich habe in dem Alter eben auch schon Sherlock-Holmes-Romane gelesen. Aber diese Idee, dieser Gedanke, Detektiv zu werden, der ist erst sehr viel später bei mir aufgekommen.“
Wandel des Detektivgewerbes durch das Internet
Moderation: „Okay, Sherlock Holmes ist das eine; heutzutage sind die Methoden ja dann doch ein bisschen moderner. Ist das Internet da schon eine Konkurrenz für Sie?“
Patrick Kurtz: „Ich denke, dass die Leute heute andere technische Möglichkeiten haben, um sich solche Dinge selbst zu erschließen, für die sie vielleicht früher Detektive gebraucht hätten. Dass man zum Beispiel selbst in den Facebook-Account des Ehemannes reinguckt, um zu schauen, welche Konversationen sind da gelaufen. Dass man selbst als Firmeninhaber nachgucken kann in den sozialen Medien, was treiben meine Mitarbeiter so …“
Moderation: „Ja, das stimmt. Manche posten ja tatsächlich ihr halbes Leben im Netz.“
Detmolder Detektiv Jochen Meismann über Social Media
Moderation: „Jochen Meismann von der Detektei Condor mit Büro in Detmold kennt das auch. Er sagt aber, Social Media hat auch Vorteile.“
Jochen Meismann: „Wir haben durch Social Media die Möglichkeit, recht schnell Fotos von Menschen zu finden, von denen wir sonst nicht wissen, wie sie aussehen. Und wir bekommen auch häufig Kontakte, die man sonst nicht kennen würde. Denn woher soll man wissen, wer mit wem wie befreundet oder verwandt ist – das steht ja sonst nirgendwo. Hingegen bei Facebook, da ist das alles wie ein offenes Buch.“
Moderation: „Sehr praktisch! Detektive in Lippe – sehr spannendes Thema! Heute Morgen hier bei Radio Lippe – guten Morgen!“
Patrick Kurtz im Interview mit Matthias Bieber von der tz
„Es ist erwiesen: Wir sind ein Krimiland! Egal, ob als Buch oder vor der Glotze: Der Krimi ist das beliebteste Genre. Fast 46 Millionen Deutsche schauen sich gerne dunkle Storys im Fernsehen an, und auch in der Literatur agieren Krimi und Thriller weit vor allen anderen Genres. Wir begeben uns auf Spurensuche und stellen die dunklen Seiten des Lebens vor – anhand wahrer Detektiv-Geschichten und spannender Literatur. Schnüffeln Sie mit?“
Matthias Bieber, Vorwort zum tz-Report „Deutschland ist Krimi-Land: Abgründen auf der Spur“
„Eine Rettung in letzter Minute – Der Stardetektiv Patrick Kurtz (30) schildert zwei Fälle aus seinem Berufsalltag“
Der Münchner Patrick Kurtz (30) hat eigentlich Literatur studiert – „und wohl zu viel Sherlock Holmes gelesen“. Vermissungen sind nur ein kleiner Teil der Anfragen für seine Kurtz Detektei München (Kastanienstraße 7), doch dafür kommen sie aus ganz Deutschland.
„Die Menschen kontaktieren uns aus zwei Gründen: erstens, wenn sie den Eindruck haben, dass die Polizei nicht gründlich genug suchen würde. Und zweitens, wenn sie auf Nummer sicher gehen und wirklich alles ausschöpfen wollen – wohl auch, um sich nicht nachträglich Gewissensbisse machen zu müssen.“ Die Gründe für eine Flucht sind vielfältig, aber fast immer geht es um Druck. Stress mit den Eltern, im Beruf, in der Liebe oder auch die berühmte Schuldnerflucht.
Personensuche mit Mantrailern (Personenspürhunden)
Kurtz hat „sieben, acht“ Festangestellte und rund 60 Ermittler. „Die sind allerdings allesamt selbstständig, und ich setze sie je nach ihren Stärken für die Aufträge ein.“ Vermisstenfälle erstrecken sich im Schnitt nur über zwei, drei Tage. Der Grund liegt auf der Hand: „Es musss schnell gehen.“ Ein Vermisstenfall fällt Kurtz, der sein Büro 2013 gründete, sofort ein: „Er spielte in Düsseldorf. Ein junger Mann hatte am Montag Abschlussprüfung, am Tag davor hinterließ er einen Abschiedsbrief, in dem stand, dass er sich umbringen wolle, und fuhr mit dem Familienauto weg. Weil er eine Kreditkarte verwendete, setzten wir Mantrailer ein.“
Mantrailer sind hochqualifizierte Spürhunde, „die allerdings einen so anstrengenden Job haben, dass sie den nur eine halbe Stunde lang ausüben können“. Da drei im Team waren, konnten wir „anderthalb Stunden lang intensiv die Spur verfolgen“. Mit einem Kleidungsstück des Vermissten ging es zum georteten Kartenautomat, an dem der junge Mann Geld abgehoben hatte, dann führten die Hunde die Detektive durch die Innenstadt zu einem Hotel. „Hier lag der junge Mann auf dem Bett mit aufgeschnittenen Pulsadern – er war ohnmächtig, aber wir konnten ihn noch rechtzeitig aufspüren und haben wohl unseren Anteil daran, dass er lebte. Wie es mit ihm weitergegangen ist, kann ich nicht sagen.“
Dramatischer Vermisstenfall in Bad Reichenhall
Solche Fälle lassen auch einen Profi nicht kalt. Wie auch jener nicht, der zeigt, welch unmenschlicher Druck auf den Suchenden lastet. Traurige Berühmtheit erlangte der Fall Andras Specht, 18 Jahre alt, aus Reichenhall. Die Familie hatte 2018 sogar das ZDF eingeschaltet, und Kurtz hatte den Auftrag vom Sender (Aktenzeichen XY … ungelöst – Spezial) übernommen. „Specht hinterließ im November 2012 einen Abschiedsbrief, in dem stand, dass er sich umbringen wolle. Seine Exfreundin nennt er darin die Liebe seines Lebens.“
Die Familie glaube noch immer daran, so der Star-Detektiv, dass ihr Sohn lebe. „Es ist brutal für sie, dass sie auch Jahre nach dem Verschwinden Hinweise bekommt, dass jemand Andreas gesehen habe.“ Kurtz ist da eher skeptisch. „Wir sind in Reichenhall! Wenn sich in den Bergen, im Wald jemand umbringen will, ist die Leiche wegen der wilden Tiere schnell verschwunden.“
Hinweise
Der Originalartikel von Matthias Bieber erschien in der tz (Print). Die Hervorhebungen (Fettschrift), Zwischenüberschriften und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Die Fälle von Sherlock Holmes lassen so manches Herz schneller schlagen, Detektivserien sind im Fernsehen beliebt. Doch wie sieht die alltägliche Arbeit wirklich aus? Der Privatermittler und Inhaber der Kurtz Detektei Kiel und Schleswig-Holstein, Patrick Kurtz, erzählt ausführlich aus seinem Alltag.
Patrick Kurtz ist Privatdetektiv, Kriminalist, Schriftsteller und Inhaber der Kurtz Detektei Kiel und Schleswig-Holstein. Im Dienstleister-Ranking der Wirtschaftswoche wurde die Detektei Kurtz gar als drittbester Ermittlungsdienst in Deutschland ausgezeichnet. Neben seiner Detektei in Schleswig-Holstein führt Kurtz auch in den anderen 15 Bundesländern Detekteien. Der IHK-zertifizierte Detektiv ermittelt für Privatpersonen und Unternehmen in den verschiedensten Fällen: Von der Überwachung verdächtiger Mitarbeiter bis zur Überprüfung der Treue von Ehepartnern geht er der Wahrheit auf den Grund. Auch dann, wenn es unbequem wird.
Vom unauffälligen Observieren
Josephine Andreoli, Lübecker Nachrichten: „Beigefarbiger Trenchcoat mit aufgestelltem Kragen, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Pfeife im Mundwinkel – sieht so der Arbeitsalltag für Detektive aus, Herr Kurtz?“
Patrick Kurtz: „Wer unauffällig observieren möchte, der trägt vermutlich eher keinen beigefarbenen Trenchcoat. Allerdings habe ich einen karierten Trenchcoat, der vermutlich auch nicht ganz unauffällig ist, dafür aber ziemlich detektivisch aussieht. Hinter der Zeitung verstecken wir uns bei Observationen auch nicht mehr. Das war früher vielleicht mal notwendig – um Kameras zu verstecken.“
Josephine Andreoli: „Wie observiert man denn betont unauffällig?“
Patrick Kurtz: „Betont unauffällig ist meistens ziemlich auffällig. Man ist unauffällig, indem man sich so gibt, wie die anderen in seiner Umgebung, indem man sich in sein Umfeld einfügt. Wenn man jemanden in einem Restaurant observiert, ist es deutlich unauffälliger, wenn noch ein Partner mit dabei ist, weil es eher ungewöhnlich ist, dass jemand allein essen geht. Und natürlich sollte ich auch meine technischen Hilfsmittel so auswählen, dass sie unauffällig sind, was heute recht einfach ist. Jeder hat ein Smartphone und kann damit unauffällig Fotos machen. Ich habe sogar Uhren, die haben ein knopflochgroßes Objektiv, da drücke ich drauf und kann Videoaufnahmen und Bilder machen. Die Kameras sind mittlerweile so klein, die kann man überall verstecken.“
Oft geht es um Untreue in der Partnerschaft
Josephine Andreoli: „Und kommen die Leute tatsächlich zu Ihnen, um herauszufinden, ob die Ehefrau oder der Ehemann fremdgeht?“
Patrick Kurtz: „Ja, bei Privatpersonen geht es ganz klischeehaft tatsächlich häufig um Untreue in der Partnerschaft. Wir sprechen dabei von Untreueermittlung. Das ist der Sachverhalt, den wir bei uns in der Detektei am häufigsten haben.“
Josephine Andreoli: „Warum spionieren die Leute ihrem Partner nicht selbst hinterher?“
Patrick Kurtz: „Den eigenen Partner zu observieren, halte ich für ziemlich unklug, wenn man unauffällig sein möchte. Zum einen kennt der natürlich das eigene Gesicht, zum anderen ist der Otto Normalbürger nicht in Observationstaktiken geschult. Es ist schon häufiger vorgekommen, dass Auftraggeber uns gesagt haben, dass sie dem Partner bereits hinterherspioniert haben, aber aufgeflogen sind. Das erschwert uns dann die Arbeit. Die Zielperson ist ja dann schon sensibilisiert, guckt sich vielleicht häufiger mal um und scannt die Umgebung.“
Josephine Andreoli: „Aber wer rechnet schon damit, von einem Detektiv observiert zu werden?“
Patrick Kurtz: „Da gibt es durchaus Leute. Es gibt ja genügend Menschen, die Dreck am Stecken haben und sich dessen bewusst sind. Und die passen auch auf. Besonders sensibilisiert sind zum Beispiel Menschen, die Krankschreibungsbetrug begehen. Die wissen ja ganz genau, dass sie gegen ihren Arbeitsvertrag verstoßen und der Arbeitgeber berechtigt wäre, ihnen eine fristlose Kündigung auszusprechen.“
Die meisten Aufträge kommen von Privatpersonen
Josephine Andreoli: „Es kommt also häufiger vor, dass auch Unternehmen Sie beauftragen. Wie ist die Gewichtung von Aufträgen durch Privatpersonen und Unternehmen in Ihrer Detektei?“
Patrick Kurtz: „Wir bekommen definitiv mehr Aufträge von Privatpersonen. Ich schätze, das ist ein Verhältnis von 65 zu 35 Prozent. Aber die Umsätze werden natürlich stärker von den Unternehmen geprägt.“
Josephine Andreoli: „Wird man als Detektiv reich?“
Patrick Kurtz: „Wie in den meisten Branchen sind beide Extreme gegeben, wobei das Gros der Ermittler heutzutage eher schlecht verdient, weil die Auftragslage rückgängig ist. Vor 20 bis 30 Jahren war es deutlich wahrscheinlicher, als Detektiv zu Vermögen zu kommen.“
95 Prozent der Arbeit ist Observation
Josephine Andreoli: „Was macht den Hauptteil Ihrer Arbeit aus?“
Patrick Kurtz: „Wenn man im Feld aktiv ist, macht die Observation schon 95 Prozent der Zeit aus. Die Observationen selbst laufen aber ganz unterschiedlich ab. Manche geschehen fußläufig, die meisten werden allerdings im Fahrzeug durchgeführt. Man muss da jede Menge Sitzfleisch mitbringen – das ist sehr sehr viel Warterei. Teilweise sitzt man 16, 17 Stunden am Stück im Auto und es passiert nichts. Man muss dabei aber natürlich trotzdem konzentriert bleiben und einen bestimmten Punkt, zum Beispiel eine Tür, fokussieren.“
Josephine Andreoli: „Und was ist, wenn man mal auf die Toilette muss?“
Patrick Kurtz: „Zu zweit ist das meist nicht so problematisch, da kann einer mal kurz weg. Aber wenn man allein ist – ich würde nicht empfehlen, aus einer Punica-Flasche zu trinken, das ist so das Standardmittel bei uns.“
Heavy Metal gegen Müdigkeit
Josephine Andreoli: „Was machen Sie, wenn Sie mal müde werden?“
Patrick Kurtz: „Ich höre Heavy Metall! Ich gehe dann meistens die Doppelfußmaschine vom Schlagzeuger mit, da werde ich automatisch wieder wach. Oftmals höre ich auch Hörbücher, früher viel Sherlock Holmes, aber das kann ich mittlerweile in- und auswendig.“
Josephine Andreoli: „Ist Ihre Arbeit so spannend, wie durch Sherlock Holmes und Thomas Magnum vermittelt?“
Patrick Kurtz: „So spannend wie in Filmen und Romanen vermittelt, ist die Arbeit meistens nicht. Vor allem reihen sich nicht zahlreiche spektakuläre Fälle aneinander, sondern es kommt vielfach vor, dass sich Fälle wiederholen. Spannend ist die Arbeit aber natürlich trotzdem.“
Die rechtliche Grundlage ist das A & O
Josephine Andreoli: „Welche Eigenschaften sollte ein Detektiv unbedingt mitbringen?“
Patrick Kurtz: „Fachkompetenz. Die rechtlichen Grundlagen sind das A und O, die muss man draufhaben, sonst bringt man sich und seine Auftraggeber in Teufels Küche. Hinzu kommen Hartnäckigkeit, Sitzfleisch, Konzentrationsfähigkeit und körperliche Fitness. Man muss auch mal Hindernisse überwinden oder einen größer werdenden Abstand zwischen sich und der Zielperson wieder aufholen. Für einen übergewichtigen Ermittler wird das schnell mal schwierig. Außerdem halte ich Kreativität für eine Kernkompetenz bei Ermittlern – man muss den Blickwinkel ändern, anders denken können, um auch schwierige Fälle zu lösen.“
Josephine Andreoli: „Wie wird man denn Detektiv? Gibt es eine Art Detektivschule?“
Patrick Kurtz: „Im Normalfall hat man eine Vorkarriere in einer Ermittlungsbehörde hinter sich. Das kann von der Kriminalpolizei über den BND, den Zoll oder auch die Stasi alles sein. Aber grundsätzlich kann in Deutschland jeder Detektiv werden – das ist auch das Problematische daran: Es gibt hier keine Zulassungsvoraussetzung. Die einzige Voraussetzung ist, dass man keinen Eintrag in seinem Führungszeugnis hat. Das ist in Hinblick auf den Datenschutz und das Persönlichkeitsrecht ein gravierender politischer Missstand.“
Schon mit 13 Sherlock Holmes gelesen
Josephine Andreoli: „Sie haben also vor Gründung Ihrer Detektei auch in einer Ermittlungsbehörde gearbeitet?“
Patrick Kurtz: „Nein, ich bin tatsächlich eher durch Zufall dazu gekommen – obwohl ich schon mit 13 Jahren leidenschaftlich gern Sherlock-Holmes-Geschichten konsumiert und auch angefangen habe, Pfeife zu rauchen. Zwischen meinem Bachelor- und Masterstudium der Europäischen Literatur hatte ich ein Jahr Zeit und wollte mich gern weiter fortbilden. Letztlich habe ich eine sechsmonatige Ausbildung an der Sicherheitsakademie Berlin gemacht und dafür dann das IHK-Zertifikat als Fachkraft Detektiv erhalten.“
Josephine Andreoli: „Wie wichtig ist Kunden so ein Zertifikat?“
Patrick Kurtz: „Klienten fragen ab und an nach dem IHK-Zertifikat und manche teilen mir sogar mit, sich aufgrund meiner IHK-Zertifizierung für die Detektei Kurtz entschieden zu haben. Aber es muss auch nicht unbedingt dieser spezielle Ausbildungsweg sein. Entscheidend ist, dass ein Ermittler eine Grundausbildung absolviert hat, die ihn für den Detektivberuf qualifiziert.
Mittlerweile führe ich diesen Beruf seit 2013 aus und es gibt immer wieder Fälle, da passiert was, von dem ich noch nie gehört habe. Und das macht diesen Job so unglaublich spannend. Es ist schon witzig, aber jetzt hat es sich eben ergeben, dass ich ein Pfeife rauchender Detektiv bin – vermutlich der einzige in ganz Deutschland.“
Josephine Andreoli: „Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kurtz!“
Hinweise
Der Originalartikel von Josephine Andreoli erschien in den Lübecker Nachrichten. Die Hervorhebungen (Fettschrift) und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.