Im Herbst 2025 gab Privatdetektiv Patrick Kurtz von der Kurtz Detektei Essen Antonia Kusche von der Funke Mediengruppe ein Interview über den Detektivberuf und zum Fall der Kindesentführung rund um die Angeklagte Christina Block, über den er bereits 2024 mit der Zürcher Zeitung gesprochen hatte. Der daraus entstandene, nachfolgend aufgeführte Artikel erschien unter anderem in der WAZ, dem Hamburger Abendblatt und der Berliner Morgenpost.
Privatdetektiv über Block-Fall: „Traumatisierend für Kinder“
Christina Block soll einen Detektiv beauftragt haben. Doch wie arbeiten Detekteien in Deutschland eigentlich? Patrick Kurtz gibt Einblicke. Von Antonia Kusche
Beim Observieren ist viel Geduld und Konzentration gefragt. Verfolgungsjagden, Beschattungen, Einsätze, die mit dem Ausruf „Zugriff!“ und einer gewaltvollen Konfrontation enden – solche Darstellungen prägen unser Bild von Privatdetektiven. Aber spiegeln sie die Realität wider? Im Interview erzählt Patrick Kurtz von der Kurtz Detektei in Essen, was seinen Job wirklich ausmacht, und berichtet über seine spannendsten Fälle.
Seit 2013 arbeitet Kurtz als Privatdetektiv. Studiert hat er etwas ganz anderes – Literatur. „Ich wusste vorher gar nicht, dass Privatdetektiv eine Jobmöglichkeit in Deutschland ist, ich hatte damit zuvor auch nie Berührungspunkte.“ So begann seine Laufbahn als privater Ermittler, die geprägt ist von emotionalen Erfolgsgeschichten, aber auch von Rückschlägen.
Privatdetektive: Was dürfen Detekteien in Deutschland?
In Deutschland handelt es sich beim Privatdetektiv nicht um einen anerkannten Ausbildungsberuf. Jedoch kann man bei der Zentralstelle für Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD) nach einer 22-monatigen theoretischen Ausbildung und zwei Jahren Praxis den Status „ZAD-geprüfter Privatermittler (IHK)“ bekommen. „Ich habe mich damals für den Präsenzunterricht an der Sicherheitsakademie in Berlin entschieden. Ich konnte viele Kontakte knüpfen.“ Seit dem Abschluss arbeitet Patrick Kurtz als zertifizierter Privatdetektiv.
Als solcher muss er genau wissen, was er darf und was nicht. Im Gegensatz zu den Behörden haben Detektive keine gesonderten Rechte. Für sie gelten die „Jedermannsrechte“, also die gleichen Rechte wie für Privatpersonen. Sie dürfen Privaträume weder durchsuchen noch fotografieren. Zudem müsse bei jedem Auftrag ein berechtigtes Interesse vorliegen, da die Observation fast immer einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte darstelle, erklärt Kurtz. „Das berechtigte Interesse muss wichtiger sein als das Eigeninteresse der Zielperson am Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte, damit eine Observation gerechtfertigt ist.“
Observationen: Unspektakulärer als im Fernsehen dargestellt
Der Tagesablauf eines Privatdetektivs ist oft unspektakulärer, als es im Fernsehen dargestellt wird. „Sein täglich Brot verdient ein Privatdetektiv nahezu ausschließlich mit Observation. Da kann es passieren, dass man den ganzen Tag observiert und nicht viel passiert. Das sind dann die Momente, in denen der Job nicht so wahnsinnig viel Spaß macht.“ Darauf würden dann aber wieder Tage folgen, die actionreich wären, erklärt Kurtz. „Da verhält sich die Zielperson nicht unbedingt so, wie man es erwartet, und man muss kurzfristig reagieren oder Pläne ändern.“ Neben Observationen beschäftigt sich eine Detektei aber auch viel mit Recherchen: Adressermittlungen, Halter-Feststellungen, Bonitätsprüfungen oder Backgroundchecks gehören zum Geschäft.
Patrick Kurtz ist seit 2013 als Privatdetektiv tätig. Die zahlreichen Fernsehsendungen rund um die Arbeit der Privatdetektive vermitteln ein falsches Bild des Berufes, sagt Kurtz. „Solche Formate wecken bei Zuschauern eine unrealistische Erwartungshaltung, weil es so unglaublich weit weg ist von dem, was den Alltag ausmacht. Da wird besonders nah aufgefahren, um Autos zu verfolgen. Oder jemand nimmt Gespräche mit einem versteckten Mikrofon auf, obwohl abhören in Deutschland verboten ist.“
Detektive werden oft wegen Verdachts auf Untreue eingeschaltet
Täglich bekomme die Detektei dutzende Anfragen und im Durchschnitt zwei Auftragsabschlüsse. Von Privatpersonen werden sie am häufigsten wegen des Verdachts auf Untreue des Partners eingeschaltet, verrät Kurtz. Firmen beauftragen die Detektive häufig wegen Arbeitszeitbetrug. Doch dabei stehen sie seit der Corona-Pandemie immer öfter vor einem Problem – dem Homeoffice. „Wir dürfen nicht in Privaträume fotografieren und können daher nicht nachvollziehen, was die Zielpersonen während ihrer Arbeitszeit wirklich machen.“
Auch die Auftragslage habe sich in den letzten Jahren verändert. „Wir bekommen immer mehr Anfragen von Menschen, die sich verfolgt fühlen“, sagt Patrick Kurtz. Bei den Observationen stellen die Detektive dann oft fest, dass den Personen nicht nachgestellt würde. „Dann bekommen wir meist die Antwort, dass gerade am Observationstag der Stalker zufällig nicht da war, aber sonst immer. Wir sollen dann an anderen Tagen weitermachen, erhalten aber kein Ergebnis“, erklärt Kurtz.
Solche Einstellungen haben Auswirkungen auf die Dauer der Aufträge und deren Kosten. „Die Dauer der Aufträge richtet sich stark nach dem Budget der Kunden. Die Gesamtkosten für Observationen beginnen bei 500 Euro, je nachdem wie viele Detektive eingesetzt werden. Nach oben hin ist alles offen.“ Genauso würde auch die Länge eines Auftrages variieren. Manche enden schnell mit einem Ergebnis, bei anderen würde sich die Recherche monatelang hinziehen, sagt der Detektiv.
Detektiv über Entführung im Fall Block: „Muss traumatisierend gewesen sein“
Was ihm in seinem Beruf besonders im Gedächtnis geblieben ist? Ein Fall, bei dem es um Leben und Tod ging. Eine Familie alarmierte die Detektei. Ihr Sohn sei verschwunden, mit dem Auto der Eltern abgehauen und habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Die Polizei habe ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht weiterhelfen können. Der Verschwundene hob an einem Automaten ab, hunderte Kilometer vom Wohnort der Familie. Dadurch und durch Personenspürhunde konnte der Vermisste in einem Hotelzimmer aufgefunden werden. Er lag in einer Blutlache, hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten und war ohnmächtig. Durch die schnelle Hilfe konnte er zu voller Gesundheit zurückkehren.
Personenspürhunde einzusetzen, sei sehr ungewöhnlich, erzählt Kurtz. Außergewöhnliche Methoden wurden seiner Meinung auch beim Block-Fall eingesetzt. „Wir hatten noch nie ein Szenario, bei dem das Kind einem Elternteil in Form einer Auftragsentführung gewaltsam entrissen wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Sinne von Frau Block war, dass die Kinder mit Gewalt verschleppt werden. Das ist eine wirklich üble Geschichte und muss sehr traumatisierend für die Kinder gewesen sein.“
Doch bei allem Erfolg gibt es auch Rückschläge im Leben eines Detektivs. Einmal ist er aufgeflogen: „Obwohl wir wie im Lehrbuch beschrieben gehandelt haben, wurden wir von den Nachbarn gesehen und die Zielperson wurde gewarnt. Letztendlich konnten wir den Täter dennoch überführen.“
Die Realität eines Privatdetektivs ist weit entfernt von Filmklischees: weniger Action, dafür mehr diskretes Beobachten. Doch die oft emotionalen Schicksale hinter den Anfragen geben Patrick Kurtz Antrieb für seine tägliche Arbeit. Was der Detektiv jedem empfehlen würde, der diesen Beruf machen möchte? Eine Menge Geduld.
Hinweis
Der Originalartikel erschien im Oktober 2025 in diversen Publikationen der Funke Mediengruppe. Die Hervorhebungen (Fettschrift), Zwischenüberschriften, Bilder und Verlinkungen auf dieser Seite können vom Original abweichen.
Detektei-Inhaber über den Detektiv-Beruf in der Show „Zebra Vier“
Am 24.11.2024 erschien in der Show „Zebra Vier“ von Radio Bremen ein Interviewbeitrag für Kinder mit Detektiv Patrick Kurtz von der Kurtz Detektei Bremen. Nachfolgend die Abschrift, hier die Audio-Version des Beitrags:
Zebra Vier forscht: Privatdetektive
Moderation: „Die drei ???, TKKG, Die Pfefferkörner, Sherlock Holmes – ach, die kennen wir alle! Und viele von uns lieben Detektiv-Abenteuer. Und heute spreche ich mit einem – hier in Zebra Vier: Ein echter Privatdetektiv. Ich freue mich total. Patrick Kurtz aus Bremen. Hallo, was genau macht ein Privatdetektiv eigentlich?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Oh, wir machen ganz viel. Vieles davon kennt man auch aus dem Fernsehen, vieles andere vielleicht eher nicht. Was häufig vorkommt, ist, dass, wenn zwei Menschen sich einander untreu sind in der Ehe oder in der Beziehung, dass wir das dann überprüfen müssen. Das ist auch etwas, was man als Klischee über Detektive häufig erzählt. Aber wir haben auch deutlich spannendere Angelegenheiten: wenn beispielsweise im Unternehmen betrogen wird, also in der Firma – dass die Leute, die dort arbeiten, nicht so ganz ehrlich sind zu ihren Arbeitgebern. Oder wir müssen auch häufig Leute finden, die verschwunden sind, also Adressermittlungen durchführen. Letzten Endes kommt es darauf an, welche Informationen unser Auftraggeber haben möchte. Das ermitteln wir dann, sofern wir das dürfen, weil wir uns natürlich auch an die rechtlichen Beschränkungen halten müssen.“
Über den Unterschied zwischen Polizeiarbeit und Detektivarbeit
Moderation: „Ja, genau. Wo ist denn der Unterschied zwischen der Polizei und einem Detektiv? Also wann ermittelt die Polizei, wann ermittelt ihr?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Da gibt es durchaus Überschneidungspunkte. Es ist so, dass wir natürlich die Aufträge durchführen, die unsere Auftraggeber uns geben. Das heißt, die Polizei, die ist verpflichtet, jeder Strafanzeige nachzugehen. Bei uns ist es so, dass wir jeden Fall prüfen dürfen und müssen, ob wir das übernehmen wollen und können. Viele Fälle, die zu uns kommen, sind eben solche Fälle, die die Polizei nicht übernehmen kann oder wo sie nicht weiterkommt und wo dann unsere Expertise gefragt ist. Das betrifft gerade auch Sachen, bei denen es eher um private Angelegenheiten geht, also für die sich die Polizei nicht zuständig fühlt. Wobei es da auch viele Sachen gibt, die die Polizei einfach nicht macht, weil die überfordert ist, weil es da nicht genügend Einsatzkräfte gibt.“
Moderation: „Was zum Beispiel?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Na ja, also vieles, was im Bereich Betrug ist, wäre eigentlich laut Definition Polizeisache, aber die Polizei sagt dann eben häufig, dass das eine Angelegenheit sei zwischen Privatbürgern oder teilweise auch Unternehmen und Privatbürgern, in die sie sich nicht einmischen will, und dann kommen wir eben ins Spiel.“
Über „Undercover“-Arbeit: Betriebseinschleusungen von Detektiven
Moderation: „Und wenn du zum Beispiel jetzt mal in einer Firma ermittelst, wo jemand den Verdacht hat, dass da jemand von den Mitarbeitenden vielleicht betrügt, wie machst du das? Bist du dann auch teilweise in der Firma mit dabei, undercover? Tust du so, als wärst du auch ein Angestellter, oder wie ermittelst du da?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Ja, das sind eigentlich die tollsten Fälle von Mitarbeiterüberprüfungen, wenn es wirklich zu Einschleusungen kommt. Dass man sich also bewirbt bei dem Unternehmen – eine Scheinbewerbung abgibt – und dann sich sogar anstellen lässt von dem Unternehmen und sich integrieren lässt in das Kollegium und dann also Teil der Belegschaft ist und auf diese Weise versucht, von innen heraus Informationen zu erhalten über das, was schiefläuft im Unternehmen. Da haben wir schon ganz verrückte Sachen erlebt: wie sich ein ganzes Kollegium verschworen hat gegen das Unternehmen, wie sich jeder bereichert hat. Jeder hat dann Geld genommen, das ihm nicht zustand, und dadurch ging es dem Unternehmen natürlich schlecht. Dadurch haben die Mitarbeiter letzten Endes auch ihre eigene Zukunft in dem Unternehmen aufs Spiel gesetzt. Und das mussten wir dann eben von innen aufklären, indem wir uns quasi undercover dort eingeschleust haben.“
Moderation: „Aber für so einen Einsatz musst du dich ja auch vorbereiten, denn du kannst ja nicht in der Firma arbeiten, so tun, als würdest du da der neue Angestellte sein, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie die Arbeit eigentlich geht, oder? Du musst ja auch wissen, was du da machen musst, so als Angestellter in Anführungsstrichen.“
Detektiv Patrick Kurtz: „Ja, das stimmt. Wir versuchen dann natürlich entweder einen Detektiv zu finden, der sich in der Branche auskennt, in der die Einschleusung erfolgen soll. Oder dass wir eine Tätigkeit finden innerhalb des Unternehmens, die vielleicht nicht allzu fachspezifisch ist. Und meistens finden wir dann eine Lösung.“
Moderation: „Patrick Kurtz ist Privatdetektiv aus Bremen und nimmt uns heute mal mit in seine Arbeit. Wir reden gleich weiter hier in Zebra 4 auf Bremen 4.“ [Einspieler]
Über unauffälliges Observieren und Verkleidungen im Detektiv-Job
Moderation: „Wenn ich Detektiv wäre und als falscher Mitarbeiter, keine Ahnung, in einem Restaurant als Kellner arbeiten würde, um einen Fall in dem Restaurant aufzuklären, so von innen heraus, dann würde ich wahrscheinlich sehr schnell auffliegen, weil ich gerne mal Teller fallen lasse. Aber Patrick Kurtz und sein Team kennen da eben Mittel und Wege, um nicht aufzufallen. Wir haben gerade schon gehört, dass eben auch teilweise innerhalb von Firmen ermittelt wird, dann geben sie sich als falsche Mitarbeitende aus. Und wie Patrick das macht, wenn er jemanden beschattet und verfolgt, das verrät er uns gleich. Ja, und wenn man so an einen Detektiv denkt, dann hat man oft so Bilder im Kopf: Lupe, Pfeife, Mantel, Trenchcoat. So stellen sich viele einen Detektiv vor. Patrick, siehst du so aus?“
Detektiv Patrick Kurtz (lacht): „Leider ein Stück weit ja. Ich habe schon, bevor ich angefangen habe, als Detektiv zu arbeiten, Pfeife geraucht. Bin auch durchaus affin, was Sherlock Holmes und sowas angeht. Habe also auch einen Trenchcoat etc. Aber in den letzten Jahren habe ich mir das ein bisschen abgewöhnt, so rumzulaufen.“
Moderation: „Und wenn du dann Einsätze hast, verkleidest du dich manchmal auch?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Ja, absolut. Man muss sich erstens immer anpassen an die Einsatzgelegenheit. Das heißt, wenn man zu einem schicken Abendball geht, zum Beispiel, da eine Zielperson absolvieren muss, dann kann man da natürlich nicht in Bauarbeiterklamotten auftauchen oder in der Jogginghose. Das funktioniert nicht. Und dann ist es auch so, wenn man längere Zeit einer Zielperson folgt, dann sollte man auch ab und zu mal seinen Stil so ein bisschen ändern, dass man nicht so leicht wiedererkannt wird.“
Moderation: „Das machen ja viele von uns auch, die vielleicht auch mal einen Detektivclub gegründet haben, vielleicht auch mal Leute verfolgen, beschatten. Wie machst du das denn, damit du nicht auffällst, außer eben, dass du dich verkleidest? Aber was kann man noch so beachten, um nicht aufzufallen in einer Menschenmenge?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Man sollte immer versuchen, sich mindestens eine Deckungsperson zu suchen. Also wenn man jemandem hinterherläuft, dann sollte man nicht direkt zu sehen sein, wenn sich die Person umdreht, sondern man sollte noch andere Personen vor sich laufen haben. Man sollte versuchen, Ecken und Bäume und Büsche und Fahrzeuge und was weiß ich nicht alles als Deckung zu verwenden. Wenn man im Fahrzeug observiert, dann ist es ganz gut, ein bisschen weiter hinten im Sitz zu sein, so dass man nicht so direkt durch die Windschutzscheibe zu sehen ist. Wenn man im Fahrzeug wartet, dann in der Regel auf der Rückbank, so dass man also nicht so leicht zu sehen ist. Wenn da jemand reinguckt, dann wirkt es dann immer, als wäre das Fahrzeug leer. Ja, und dann gibt es einfach diverse Tricks, die man dann mit der Zeit so lernt. Man sagt auch immer – das ist eine Faustregel –, dass man auf keinen Fall die Zielperson anstarren soll. Man soll ihr nicht auf den Hinterkopf gucken, weil das wohl viele Leute aktiviert, einen Reflex auszulösen, dass man sich umdreht und schaut, was da passiert – also sich beobachtet fühlt.“
Über Fahrzeugobservationen durch Privatdetektive
Moderation: „Sitzt du denn öfter im Auto und observierst Leute? Ist das ein großer Teil deiner Arbeit?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Absolut. Das ist vielleicht sogar der Hauptbestandteil von moderner Detektivarbeit, dass man im Auto sitzt und geduldig observiert. Ist auch angenehmer, als draußen zu stehen, gerade im Winter, weil man sitzen kann, weil man es warm hat, weil man vielleicht auch Musik oder Hörbuch hat, je nachdem wie die persönlichen Präferenzen sind, die man hat. Dazu braucht man natürlich sehr viel Geduld. Das kann auch langweilig sein, aber es kann auch sehr spannend sein, wenn es zu Verfolgungen kommt.“
Moderation: „Verfolgungsjagd mit dem Auto?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Absolut. Also was heißt Verfolgungsjagd … Die Zielperson, der wir folgen, die weiß natürlich nicht, dass wir ihr folgen – im Optimalfall. Beziehungsweise wenn das so wäre, dass wir das Gefühl hätten, dass die Zielperson glauben könnte, dass ihr da jemand folgt, dann würden wir abbrechen. Und dementsprechend gibt es Jagden in dem Sinne nicht, sondern die Zielperson fährt eben voraus. Und manche fahren natürlich sehr sportlich und dann muss man sich dementsprechend auch anstrengen, dass man hinterherkommen kann.“
Moderation: „Das ist ja wie in einem Film – wow! Noch mehr aus dem Leben eines echten Detektivs hören wir heute Morgen noch von Patrick Kurtz, Privatdetektiv aus Bremen. Heute Morgen hier in Zebra 4.“ [Musik]
Über typisches Detektiv-Equipment
Moderation: „Zebra 4 forscht. Also wir haben ja eben schon gehört, dass man sich als Privatdetektiv auch verkleidet. Zum Beispiel, wenn man jemanden auf einer Veranstaltung beschattet, wo alle Menschen ein bisschen schick angezogen sind und so, dann muss man ja auch sich da so unter das Volk mischen und nicht auffallen. Aber man braucht ja auch so bestimmte Ausrüstungsgegenstände als Detektiv. Ich kann mir vorstellen: eine Lupe zum Beispiel. Aber ich weiß es auch nicht. Ich gebe die Frage mal weiter an Patrick Kurtz, denn er ist Detektiv. Patrick, braucht man als Privatdetektiv wirklich eine Lupe?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Selten. Also es ist schon eher ein Accessoire, das man nicht wirklich benutzt. Es gibt natürlich Fälle, in denen man Spuren sichern muss. Dann würde man aber letzten Endes die Spuren auch eher unter einem Mikroskop untersuchen, als dass man eine klassische Lupe dafür verwenden würde.“
Moderation: „Okay, dann haben wir das mit der Lupe geklärt. Aber gibt es denn so bestimmte Ausrüstungsgegenstände, so Gadgets, die man als Detektiv immer dabei haben sollte?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Das Gadget Nummer 1 ist die Kamera – eine vernünftige Spiegelreflexkamera, eine hochwertige mit einem Teleobjektiv, mit dem man auch auf große Distanzen gute Fotos und Videos machen kann. Dann gibt es noch kleinere Kameras, die man braucht, also welche, die man mobil dabei hat. Heute wird dafür viel das Handy benutzt. Man braucht aber auch versteckte Kameras. Das heißt, die sind teilweise in Uhren drin, in Kappen, in Sonnenbrillen, in Knopflöchern sogar. Je nachdem, wie die Situation eben ist, muss man da sehr flexibel reagieren können. Und ansonsten gibt es viele spezifische Tools, die man noch braucht: Zum Beispiel GPS-Tracker werden teilweise verwendet, damit Zielpersonen nicht wegfahren können. Die werden ans Auto montiert, wobei man da ein bisschen vorsichtig sein muss, weil man nicht alles darf diesbezüglich. Und noch eine ganze Reihe von weiteren Gadgets, die man so benutzen kann.“
Moderation: „Du bist ja immer viel unterwegs als Detektiv. Bist du immer nur an einem Fall gleichzeitig dran oder bearbeitest du auch mehrere parallel?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Also dadurch, dass ich der Chef der Detektei bin und wir sehr viele Fälle haben, lässt sich das gar nicht so genau sagen. Es gibt natürlich immer Fälle, wo ich so ein bisschen beratend und supervisorisch mit eingreife, die jetzt nicht von mir hauptsächlich bearbeitet werden. Und dann gibt es ab und zu Fälle, wo ich der alleinige Ermittler bin und mich darum kümmere. Und in der Regel, wenn ich mich um einen Fall wirklich intensiv kümmere, dann ist das auch der einzige, den ich auf diese Weise bearbeite. Aber ich muss eben, wie gesagt, auch immer noch auf andere Fälle gucken, einfach weil ich der Chef der Detektei bin.“
Moderation: „Ja, und Patrick Kurtz hat schon viele Fälle bearbeitet, und gleich erzählt er uns von echten Fällen, die er schon gelöst hat. Das würde ich mir auf jeden Fall anhören. Mach ich auch. Zebra 4 forscht auf Bremen 4.“ [Musik]
Von der Detektiv-Ausbildung und von Detektiv-Vorbildern
Moderation: „Habt ihr schon mal einen Detektivclub gegründet? Ich habe das auch mal gemacht. Da war ich in der Grundschule mit zwei Freunden zusammen. Ich wollte immer Detektiv werden, das hat aber nicht so ganz geklappt. Bei Patrick Kurtz aus Bremen aber schon. Er ist wirklich Privatdetektiv und hat uns heute schon viel über seine Fälle und Einsätze erzählt. Viel Spannendes über Beschattungen und Ausrüstungsgegenstände. Zum Beispiel, Patrick, wie bist du eigentlich Detektiv geworden?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Ich habe eine Ausbildung gemacht zum Detektiv. Das heißt, da gibt es richtige Ausbildungsschulen. Und ich war dann wirklich nochmal wie zur Schulzeit fünf Tage die Woche, acht Stunden auf der Schulbank und habe mich da mit der Theorie zum Detektivleben beprasseln lassen.“
Moderation: „Und ist das Leben als Ermittler eigentlich so, wie wir das aus dem Fernsehen und aus Hörspielen und Büchern kennen? So der klassische Privatdetektiv, hat das viel damit gemein oder ist das anders?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Die Darstellungen sind ja sehr unterschiedlich, je nachdem, welche Serie, welches Buch, welchen Film man sich anguckt. Manche sind näher dran an der Realität, andere deutlich weniger. Was ich immer wieder erstaunlich finde, ist, dass Dinge, die schon in den Sherlock-Holmes-Romanen von Arthur Conan Doyle Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben worden sind an Ermittlungsmethoden, dass die heute immer noch Anwendung finden.“
Moderation: „Aha, das ist ja spannend, auch für mich als Sherlock-Holmes-Fan. Wie denn zum Beispiel?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Ich hatte letztens einen Fall, da habe ich einen jungen Mann gesucht, der war verschwunden, den haben seine Eltern gesucht. Er war obdachlos. Es gab einfach keine Möglichkeit, ihn zu finden. Und da habe ich mir ein Kontaktnetzwerk aufgebaut innerhalb der Stadt – dass ich also ganz viele andere Obdachlose letzten Endes rekrutiert habe und denen meine Rufnummer gegeben habe und denen ein bisschen Geld gegeben habe, damit die mir Bescheid geben, sobald sie ihn sehen. Und auf diese Weise habe ich ihn dann wiedergefunden. Und das war eine Methodik, die habe ich mir abgeguckt von Sherlock Holmes, der die Baker Street Boys damals in seinen Romanen eben schon auf die gleiche Weise rekrutiert hat, um Informationen aus ganz London zu bekommen.“
Von schönen Fällen: Familienzusammenführung
Moderation: „Ach, das ist ja spannend. Und wenn wir schon mal über alte Fälle reden von dir, wenn du jetzt nachdenkst: Was ist vielleicht ein besonders schöner Fall, der dir noch in Erinnerung geblieben ist?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Das geht auch in eine ähnliche Richtung. Also viele von euch haben es ja vielleicht auch schon gehört aus dem Bekanntenkreis oder vielleicht auch selbst leider schon erlebt, dass Erwachsene nicht unbedingt immer zusammenbleiben. Wenn die Eltern, die das machen, älter werden, dann sind die manchmal traurig. Dann stellen die eben fest: Ich vermisse mein Kind und ich möchte mein Kind dann doch nochmal wiedersehen. Und das war so ein Fall, da hatte ein Vater seine Familie verlassen. Das war schon fast 30 Jahre her, und der ist dann eben alt geworden und wollte unbedingt seine Tochter wiederfinden. Und dann haben wir rekonstruiert, was in den letzten 30 Jahren passiert ist. Und auf diese Weise konnten wir dann letzten Endes den Kontakt herstellen zu der Mutter von dem Kind, also zu der Ex-Frau von unserem Auftraggeber. Und es stellte sich heraus, dass die Tochter dann auch schon einen Enkel hatte. Und dann konnten wir unserem Auftraggeber also nicht nur die Kontaktdaten geben von seiner Tochter, sondern ihm auch mitteilen, dass er Großvater ist, dass er eine Enkelin hat. Und konnten ihm auch Bilder geben. Und das war letzten Endes eine sehr schöne Familienzusammenführung, die wir da erlebt haben.“
Moderation: „Haben sich alle gefreut?“
Detektiv Patrick Kurtz: „Gehe ich von aus, ja.“
Moderation: „Sehr schön. Sehr schönes Happy End zum Abschluss. Danke Patrick Kurtz, Privatdetektiv aus Bremen, der uns heute mal mitgenommen hat hier in Zebra 4 in das Leben eines Detektivs. Es war richtig spannend. Ganz, ganz vielen Dank dafür.“
Detektiv Patrick Kurtz: „Ich danke auch ganz herzlich.“